Die Zeit hier in Berlin läuft schnell… Die letzten 6 Monate, die ich in Deutschland verbrachte, waren etwas Neues in meinem Leben. Ein Auslandsaufenthalt ist eine gute Möglichkeit, sich selbst besser kennenzulernen. Es gibt ständig neue Herausforderungen, die unbekannte Umgebung und die fremden Menschen bewirken, dass man sich immer neu bewahrheiten muss. Es gibt heutzutage ein umfangreiches Angebot von Auslandsstudien für die Studierenden wie z.B. Erasmus, verschiedene Stipendien usw. Warum habe ich mich für Copernicus entschieden, ob meine Erwartungen erfüllt worden sind und was unterscheidet Copernicusstipendium von den anderen? Hiermit werde ich versuchen, das herauszustellen.
Ich habe schon früher den Wünsch gehabt, in Deutschland zu studieren. Berlin ist ein begehrter Ort und wer hier studieren kann, der kann ruhig sagen, dass er ein Glückspilz ist. Diese große Stadt hat viel anzubieten. Eine renommierte Hochschule, Humboldt Universität zu Berlin, die internationale Gesellschaft, die einzigartigen kulturellen Ereignisse, die interessanten Museen, wunderschöne Wälder und Seen, und und und… Die Vorteile von dieser Stadt sind einfach unzählig. Ich alleine habe keine Ahnung, womit soll ich denn anfangen…
Vielleicht einfach chronologisch! Wer ein Copernicusstipendiat ist, der kann sagen, dass er Glück hat. Die Bewerbungen sind zahlreich, aber nur ein paar Stipendien werden vermittelt. Es ist also selbstverständlich, dass die Information über die Wahl der Stipendiaten eine nette Überraschung für mich war. Das Stipendium stiftet unter anderem die Schindler-Stiftung, die Jurastudenten wie ich aus Lodz fördert. Hiermit möchte ich mich auch herzlich bei Herrn Schindler für den finanziellen Beitrag bedanken. Sie, Herr Schnidler, sind ein gutes (aber nicht einziges) Beispiel und Vorbild davon, wie man die deutsch-polnischen Beziehungen in die richtige Bahn lenken kann.
Also damit fing alles an. Anfang Oktober hat mich Aksi, ehemalige Stipendiatin aus Weißrussland und gleichzeitig meine nette Mentorin, vom ZOB abgeholt. Berlin sei für mich nichts Neues, habe ich gedacht. Ich war einfach auf dem falschen Dampfer! In der Tat war ich letztes Jahr hier schon eine kurze Zeit. Aber erst jetzt kann ich bewusst feststellen, dass diese Stadt ein geheimnisvoller Riese ist. Der einfachste Vergleich lautet folgendermaßen – das beste Verkehrsmittel hier sind die Züge. Das gibt schon einen Einblick!
Die erste anfangs sogar unangenehme Überraschung war die Tatsache, dass ich im fernen Westen wohnen sollte. Als ich gehört habe, dass ich in der Nähe von Wannsee leben werde, war ich gelind gesagt einfach enttäuscht. Mann… Alles weit entfernt, Potsdam nur in 7 Minuten erreichbar und Berlin-Mitte in 30. Ganz zu schweigen davon, dass die „Expedition“ nach kulturellem Osten eine Stunde dauerte. Meine Frustration hat nur eine Nacht gedauert. Im Tageslicht konnte ich die wunderschöne Gegend besser kennenlernen. Für die Menschen, die das Paradies in der Stadt suchen, ist das Haus von Frau Lorenz eine richtigeAdresse.
Frau Ingrid Lorenz, meine Gastmutter, hat mich aufgenommen. Was kann ich jetzt aus der 6-Monaten-Perspektive sagen? Das Wohnen bei Frau Lorenz am Wannsee war das Beste, was mir passieren könnte. Es hat sich herausgestellt, dass Ingrid (wir haben uns per „du“ genannt) ein „alter Hase“ ist (nicht nur, weil sie 83 ist), wenn es sich um das Aufnehmen von Ausländer handelt. Bis jetzt hat sie vielen Menschen geholfen und trotz des fortgeschrittenen Alters macht sie weiter mit. Sie ist ein aktives Mitglied der deutsch-rumänischen Gesellschaft und seit kurzem hilft sie auch bei der Copernicus-Stiftung. Die familiäre Atmosphäre, die ich in meiner Gastfamilie erlebt habe, ist eine von diesen Erinnerungen, wonach ich am meisten Sehnsucht haben werde. Bei Ingrid wohnten noch zwei Rumänen und wir alle zusammen haben eine echte Patchworkfamilie gebildet. Kurz gefasst, die Gastfamilie war ein zweifelloser Erfolg.
Der chronologischen Reihenfolge gemäß soll ich jetzt etwas über den Verein Copernicus Berlin e.V. erzählen. Es ist sehr wichtig, dass es solche ehrenamtlichen Organisationen überhaupt gibt. Die Copernicus-Stiftung hat eine echt gute Arbeit geleistet. Die bilden sog. Cops (freiwillige Mitglieder), Mentoren, mitwirkende Gasteltern, Alumnis – ehemalige Stipendiaten usw. Es ist erstaunlich, wie viel sie alle zusammen geleistet haben. Ich danke euch allen für die Hilfe und die Unterstützung. Debo, du bist die beste Stadtführerin! Danke für deine Initiativen! Jede zwei Wochen fand ein Plenum statt. Wir trafen uns in der Nähe von der juristischen Fakultät der HU.
Copernicus: Nina, Laura, ich, meine Mentorin Aksana, Christoph, Debo, Olena, Patryk, Andreea
Meine nächste schöne Erfahrung als Stipendiat in Berlin war das Studium an der HU. Humboldt-Universität zu Berlin ist eine der besten Hochschulen Deutschlands. Ich habe viele interessante Vorlesungen besucht. Das interessanteste war für mich ein Seminar-M&A in der Anwaltlichen Praxis, das von Juristen aus der Kanzlei WilmerHale geführt wurde. Das Studieren in Deutschland sieht ein bisschen anders aus als in Polen. Die Stimmung und das Student-Professor-Verhältnis sind hier viel lockerer. Während der Prüfung betont man hier mehr logisches Denken und die praktische Arbeit mit dem Recht. Das Einpauken war in diesem Fall keine Garantie von guter Zensur! Kurz gefasst kann ich mit reinem Gewissen sagen, dass das polnische Hochschulwesen noch Jahrzehnte im Rückstand ist, wenn man es mit dem deutschen vergleicht.
Das ist schon eine Tradition, dass die Copernicus-Stipendiaten einen Vortrag halten, der die Probleme der Heimat betreffen. Leider haben am Anfang verschiedenartige Widrigkeiten des Schicksals verursacht, dass diese so lange kultivierte Tradition in Gefahr war. Zum Glück haben wir alle zusammen dank der Hilfe und der Entschlossenheit von Copernicus-Mitglieder und selbstverständlich dank der Determination von Referenten alle Hindernisse überwunden und endlich fand am 24. Januar 2013 in den Räumen der Schwarzkopf-Stiftung in der Sophienstraße 28/29 unser schon längst erwartete Länderabend statt. Als Studenten aus Polen, Patryk und ich, wollten wir zwei Gesichtspunkte der deutsch-polnischen Beziehungen darstellen. Es ist keine einfache Aufgabe, weil man immer in Erinnerung behalten soll, dass man sich an mehrheitlich deutsches Publikum wenden wird. Ganz zu schweigen davon, dass die gegenseitigen Beziehungen von Polen und Deutschland kein einfaches Thema sind. Die sehr wohlwollende Reaktion des Publikums war ein Beweis dafür, dass der Länderabend ein Erfolg war. Später fand eine sehr interessante Diskussion statt, die die heutigen deutsch-polnischen Angelegenheiten betraf.
Das Seminar in Wendgräben war auch ein schönes und interessantes Erlebnis. Wir haben uns mit der Frage der Nachhaltigkeit auseinandergesetzt. Man konnte erfahren, wie dieses Problem heutzutage in verschiedenen Ländern Europas und Asiens betrachtet wird. Das war auch eine gute Gelegenheit, sich mit den Stipendiaten und Freiwilligen von Copernicus Hamburg e.V. zu treffen.
Die interessanten Themen, herrliche Umgebung, lockere Atmosphäre und freundliche Stimmung, Mafiaspiel – das sind meine Erinnerungen. Außerdem habe ich noch nie in einem Schloss gewohnt!
Patryk, Olena und ich
Das Praktikum ist der nächste Pflichtpunkt, den der Stipendiat belegen muss. Ich habe ein 6-wochiges Praktikum in der Konsularabteilung der polnischen Botschaft gemacht. Es war eine sehr gute Erfahrung, sehen zu können, wie die Arbeit in solcher Einrichtung aussieht. Die Stimmung war sehr freundlich, aber die Aufgaben waren sehr ehrgeizig. Dazu gehörten das Erstellen vom juristischen Schreiben, die Teilnahme an Vernehmungen, das Anrufen an deutsche Behörden und die Hilfeleistung den polnischen Bürgern gegenüber. Für alle, die den Wunsch haben, zu beobachten und zu erleben, wie das Leben und die Arbeit an der Auslandsstelle läuft, schlage ich das Praktikum in der polnischen Botschaft vor. Man soll nur eine sehr wichtige Tatsache nicht vergessen – und das ist mein Rat für die künftigen Stipendiaten: bewirbt euch so schnell wie möglich, weil ein Praktikum in Berlin zu kriegen, ist nicht so einfach.
Ich schreibe meinen Bericht bewusst, dass solche Gelegenheit wie Copernicus-Stipendium einfach ein Jackpot ist. Ich werde diese Zeit hier betrachten als ein Anfang von einem neuen Kapitel in meinem Leben. Reisen machen klug! Darum – Berlin – ich sage dir nicht Ade! Einfach bis dann!!!
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