Leyla Getagazova kommt aus der Tschetschenischen Republik im Kaukasus. In Grosny hat sie Anglistik und Germanistik studiert, bevor sie 2001 durch den Krieg gezwungen war, ihr Studium abzubrechen. Ihr Weg führte sie nach Moskau, wo sie 2005 ihren Universitätsabschluss erhielt. Heute studiert sie als Stipendiatin von Copernicus e.V. an der Universität Potsdam Fremdsprachenlinguistik.
Am 10. September 2008 referierte Leyla bei einem Länderabend des sie mit einem Stipendium fördernden Vereins Copernicus e.V. über die Kultur und Sprache ihres Heimatlandes. Rund 40 Gäste waren gekommen. Interessierte Studierende, Kulturwissenschaftler, Forscher, mit der Region verbunde Menschen und interessierte Mitbürgerinnen und Mitbürger. Leyla war anzumerken, wie es ihr Freude bereitete über die in Deutschland nur wenig bekannte Republik Inguschetien und Tschetschenien zu berichten. “Keine europäische Region ist so reich an Kultur und Sprache wie die beiden eng miteinander verbundenen Kaukasus-Republiken. Und es ist das ethnisch am stärksten differenzierte Gebiet der Welt”, schwärmte die junge Inguschin, die über einen Freiwilligendienst bei der Aktion Sühnezeichen Friedensdienste den Weg nach Deutschland gefunden hat.
Mit ihrer Heimatstadt Grosny teilt sie jedoch auch ein leidvolles Schicksal. Sie zeigte Bilder der blühenden Stadt Anfang der 90er Jahre, in der sie aufwuchs. Dann bewegte und einfühlsame Bilder aus den Zeiten des Tschetschenienkrieges, in der 80 % der Stadt zerstört wurden.
Mit Interesse wurden Leylas Ausführungen zur inguschischen Sprachkultur verfolgt. Die eng mit dem Tschetschenischen verwandte Sprache ist durch ausgeprägte Kehlkopflaute charaktierisiert, dialektfrei und besitzt ein komplexes Kasussystem. Das Schriftbild veränderte sich mehrfach vom Arabischen in das Lateinische und dann zum kyrillischen Alphabet. Erstaunt waren die zahlreich erschienen Gäste auch über die vor Jahrhunderten halb als Wohnhaus und halb als Verteidigungsanlage erbauten Hochtürme in der kaukasischen Bergregion.
Im Vortrag verdeutlichte Leyla, dass die Sprache und Kultur ihrer Heimat durch Konflikte ständigen Veränderungen unterworfen war, was jedoch auch die heutige kulturelle Vielfalt hervorbrachte. Auf die Frage, wie ausgeprägt das Kulturleben in Tschetschenien sei, antwortete sie, dass die Kultur heute leider für wenige Menschen in ihrer Heimat von Interesse sei, da es zuerst andere Probleme im Alltagsleben der Menschen zu lösen gelte.
Am Ende der Veranstaltung lud Leyla zu einem landestypsichen Büfett ein, bei dem es unter anderem mit Kürbis gefüllte Teigtaschen nach traditionellem Rezept gab. Die Besucher nahmen die Möglichkeit war, ihre Eindrücke über das Land auszutauschen, interessierte Fragen an die Referentin zu stellen und einen Film über die Kulturtradition des Landes anzuschauen.
Interessierte finden hier die Powerpoint-Präsentation zum Vortrag: Länderabend Copernicus 10-09-08
Copernicus Berlin bedankt sich ganz herzlich bei Leyla für die Gestaltung dieses interessanten Abends.
In den regelmäßig stattfindenden Länderabenden in den Räumen der Heinz-Schwarzkopf-Stiftung informieren die Stipendiaten von Copernicus Berlin e.V. über verschiedene Aspekte ihrer Heimat. Der gemeinnützige Verein Copernicus Berlin bietet zusammen mit den Schwestervereinen in Hamburg und München ein Stipendienförderprogramm für osteuropäische Studenten an. Jungen hochqualifizierten Studenten wird über Stiftungsgelder, Spenden und Patenschaften ein Auslandssemester in Deutschland ermöglicht. Copernicus legt bei seinem Engagement besonderen Wert auf eine enge persönliche Betreuung der Stipendiaten durch Mentoren, ihre Unterkunft und Verpflegung in deutschen Gastfamilien und ein mehrmonatiges Praktikum im Anschluss an das Studiensemester an einer deutschen Universität. Getragen wird der Verein von engagierten Studenten, Absolventen und Berufstätigen.
Tags: Grosny · Inguschetien · Kaukasus · Kultur · Länderabend · Sprache · Tschetschenien1 Comment


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