Agata Warchoł aus Polen war vom April 2008 bis September 2008 Copernicus-Stipendiaten in Berlin. Die junge polnische Germanistik-Studentin blickt in ihrem Erfahrungsbericht zurück auf das spannende halbe Jahr:
Warschau, den 07.12.2008
Sechs Monate. Ich bin in Warschau und denke an die Zeit in Deutschland, an Berlin, an das Studium, das Praktikum, Momente dazwischen, neue Menschen, meine Gasteltern, den Länderabend. Das war eine Zeit voller Eindrücke, eine Zeit voller Wechsel und der Veränderungen. Mein erster langer Auslandsaufenthalt, und höchstwahrscheinlich nicht der letzte. Ich kann nur loben, was ich dank dem Programm erlebte. Für mich waren die meisten Erlebnisse der letzten Monate einfach einzigartig und vor allem sehr erfahrungsreich. Es gibt viele Sachen, wofür ich Copernicus dankbar bin. Hiermit nur einige.
Erstens realisierte ich mein Vorhaben, Literatur für die Magisterarbeit zu sammeln. Berlin war für mich eine ideale Wahl. Hier konnte ich mehrere Vorlesungen und Seminare besuchen, die für meine Abschlussarbeit und die Abschlussprüfung von großer Relevanz waren. Anderswo hätte ich sicherlich diese Chance nicht gehabt. Das Studium an HU und FU gab mir vor allem einen Einblick in das flexible deutsche Hochschulsystem, ermöglichte das Kennenlernen und das Vergleichen, wie man im Ausland studiert und dass man ganz autonom studieren und die eigene Berufslaufbahn gestalten kann bzw. muss.
Für sehr wichtig halte ich außerdem die Teilnahme am Seminarwochenende in Aurich. Obwohl ich nur einen geringen Beitrag zu seinem Verlauf leistete, war es für mich ein aufschlussreiches Ereignis. Nicht nur ein gewisses Wissen stiftend, sondern auch die politische Haltung fördernd. Obwohl ich politisch nicht engagiert bin, war es für mich eine wichtige Erfahrung und ein gutes Beispiel für die Diskussionskultur, insbesondere seitens der deutschen Teilnehmer. Nach den letzten Monaten, nach Aurich und dem Länderabend denke ich, ich habe ein besseres Verständnis für die Bürgergesellschaft und die Bürgerinitiative.
Ich finde das Taschengeld als Minimum ausreichend. Falls man aber nur von diesem Geld leben müsste, würde Geld für kulturelles Leben und Ausflüge fehlen. Die Idee, dass man einen Zuschuss für die DSH-Prüfung bekommt, ist nur zu begrüßen. Vielen Dank für die finanzielle Unterstützung für den Fortbildungskurs zum Sprachmittler! Ich finde es nur schade, dass es die Möglichkeit nicht gab, das Fördergeld für gemeinsame Aktivitäten der Stipendiaten flexibler zu verwalten. Zwischen uns gab es leider nur wenig Bereitschaft, zusammen zu halten und dies hat automatisch die Chance ausgeschlossen, zu zweit oder alleine die Förderung für interessante Sachen zu erweben.
Das einzige was mir während der ganzen Zeit nicht gefiel, waren die Plena – mit kleinen Ausnahmen schleppend vom ersten bis zum letzten Treffen. Ich würde es bevorzugen, kurz und bündig relevante Sachen zu besprechen und dann eventuell zum informellen Teil überzugehen.
Den Cops verdanke ich viele positive Impulse, dass man sich ehrenamtlich engagieren, einsetzen und aufgeschlossen bleiben kann. Ich fand die Betreuung seitens des Copernicus sehr wichtig und schätzte die Unterstützung an den ersten Tagen des Stipendiums, beim Vorbereiten des Länderabends und bei der Suche des Praktikums sehr. Ich hatte immer das Gefühl, dass ich eine Stütze bei Einer oder Einem von Copernicus finde.
Meine Gasteltern sind eine gute Adresse für die nächsten Stipendiaten, am besten für Studenten, die eine Bindung zu ihrer Gastfamilie aufbauen wollen – sie sind sehr nette und hilfsbereite Menschen. Falls Copernicus noch welche Geisteswissenschaftler aufnehmen sollte, die Interesse an der e-Kultur haben, ist dieses Ehepaar nur zu empfehlen. Dank Ihnen konnte ich so oft, wie noch nie im Leben, Theater, Opern, Kino und Konzerte erleben. Außerdem finde ich es einmalig, dass ich in einer deutschen Familie und insbesondere bei Deutschen der älteren Generation während des Stipendiums leben konnte. Als Germanistin wollte ich immer indirekten Zugang zu einem deutschen Alltag und Haushalt bekommen. Dies konnte ich dank Copernicus verwirklichen.
Die Zufahrt von Kleinmachnow zur Universität wäre allerdings eine Qual gewesen, wenn ich das Radfahren nicht gemocht hätte. Zum Glück bin ich ein großer Radfreund und es bereitete mir viel Spaß. Und die Sommerzeit in Berlin und Brandenburg mit dem Fahrrad unterwegs machte den Aufenthalt noch genialer!
Ich finde toll, was Copernicus macht. Ich bin immer gerne in Warschau anzusprechen. Ich freue mich auch auf Nachrichten von Euch!
Vielen Dank für alles und liebe Grüße,
Agata
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