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Zurückgeblickt: Hanna über ihr Copernicus-Stipendium in Berlin

April 25th, 2009 by Sascha Walther

Die Copernicus-Stipendiatin Hanna Masiuk schaut auf ihr Stipendium im Wintersemester 2008/2009 zurück:

h3Noch in den Schulzeiten, als ich mit der deutschen Sprache angefangen habe, habe ich mir Gedanken gemacht, in Deutschland zu studieren. Nachdem ich 4 Semester an meiner Heimatuniversität abgeschlossen habe, habe ich nach einer Möglichkeit gesucht, meine Idee zu verwirklichen. Aber wenn sich die europäischen Studierenden für ein paar Auslandssemester entscheiden, kriegen sie alles ein bisschen einfacher und schneller hin im Vergleich zu den Studenten, die aus GUS-Staaten kommen. Immatrikulation- und Einreiseangelegenheiten sind nicht so einfach. Die Lebenshaltungskosten sind in Deutschland natürlich höher, nicht alle können sich daher ein Studium hier leisten. Dazu unterscheiden sich die Ausbildungssysteme in Europa und GUS-Staaten sehr stark. Deswegen haben viele Studenten Angst, dass sie es allein nicht schaffen, und verzichten dann auf die Idee, ein Auslandssemester zu machen. Deswegen finde ich verschiedene Stipendienprogramme, die zahlreiche deutsche Organisationen und Stiftungen vergeben, sehr toll und nützlich für beide Seiten. Fraglich ist es aber, ob genügende Informationen über das Programm vorhanden sind, ob das Bewerbungsverfahren klar ist und wie kompliziert die Formalitäten sind.

Ich selbst habe mir verschiedene Stipendienprogramme angeguckt und kann definitiv sagen, dass Copernicus Spitzenreiter in diesem Bereich ist. Eine spannende Internetseite, eine klare Darstellung des Bewerbungsverfahrens macht das Programm klar und anschaulich.

Als ich erfahren habe, dass ich ein Stipendium bekommen habe (man kriegt leider aber keine Absagen), ging es gleich los mit allen Formalitäten an meiner Heimatuniversität und an der Deutschen Botschaft. Die Tatsache, dass man mit den Copernicus-Vertretern immer im Kontakt per Email oder Telefon stehen kann, erleichtert alles. Man kann alles nachfragen und man kriegt dann sofort eine Antwort. Als ich noch in Belarus war, habe ich schon Mails über die kommenden Copernicus-Veranstaltungen bekommen. Z.B. ich habe gleich eine Einladung zum Copernicus-Seminar in Aurich mit einem detaillierten Programm der Veranstaltung erhalten, was mir Möglichkeit gab, mit der Vorbereitung noch in Minsk zu beginnen. An meinem Beispiel kann ich definitiv sagen, dass es sehr nützlich ist, vor der Abfahrt ein bisschen im Internet zu recherchieren und einige Informationen zu finden – über die Universität, die Stadt usw., dann kann man sich schneller zurecht zu finden. Copernicus bietet aber auch ein Mentoren-Programm, so dass jeder Stipendiat so eine „Patenschaft“ bekommt. Diese Idee finde ich sehr toll, denn es ist sehr wichtig für die ausländischen Studierenden einen Ansprechpartner zu haben, an wen man sich jederzeit wenden kann, um irgendwelche Probleme mit der Uni zu besprechen, um einen Rat zu bitten, zusammen eine Ausstellung zu besuchen oder einfach am Wochenende zusammen zu feiern. Das ist so eine Erfindung von Copernicus Berlin, denn was Ähnliches gibt es nicht z.B. in Copernicus Hamburg oder Copernicus München. Mit einem Wort ist das ein sehr wichtiger Teil des Programms.

h2Also wenn alles mit der Universität erledigt ist, kommt der nächste Schritt, und zwar, Praktikum zu finden und dieses erfolgreich zu absolvieren – einer der wichtigsten Bestandteile des Programms. Für belarussische Studierenden, die höchstens einmal während ihres Studiums ein Praktikum machen, das höchstens einen Monat dauert, denn es ist eigentlich so angebracht bei uns (die Unternehmen schreiben die Praktikumsstellen nicht so gerne aus), klingt es natürlich unglaublich – eine Chance ein mehrmonatiges Praktikum bei einem Unternehmen in Deutschland zu absolvieren. Man muss selbst die Ausschreibungen suchen, sich selbst bewerben – das finde ich toll, denn es ist eine riesige Erfahrung, denn man lernt, wie man sich bewerben muss (einen guten Lebenslauf zu erstellen ist auch nicht so einfach), man bekommt eine gewisse Vorstellung über den Arbeitsmarkt – wo man mehr Chancen hat, in welchen Bereichen, welche Fachleute nachgefragt sind usw. Aber während der Suche ist man nicht alleine, denn Copernicus organisiert ständig eine Praktikumsberatung, bietet sehr viele nützliche Informationen. Darüber hinaus stehen alle Copernicaner bei allen Fragen bezüglich des Praktikums zur Verfügung. Was ich aber in diesem Part ändern würde, ist, dass man eine sozusagen Database mit allen gesetzlichen Informationen, die das Praktikum für die ausländischen Studenten (besonders aus den Nicht-EU-Ländern) betreffen, schaffen könnte. Denn wenn es besonders um ein vergütetes Praktikum bei einem großen Unternehmen geht, benötigt man immer sehr viele Unterlagen, die die ausländischen Studenten nicht immer haben.

Also in meinem Fall ging es mit der Suche nach einem Praktikum ein bisschen stressig (auf die Zu- oder Absage muss man manchmal sehr lange warten), aber sehr spannend. Ich habe mir klar vorgestellt, dass ich mich gerne mit Finance oder Controlling beschäftigen wollte, und zum Glück hat alles geklappt. Ich habe eine Einladung zum Vorstellungsgespräch von Tchibo in Hamburg bekommen. Das Vorstellungsgespräch ist sehr gut gelaufen und seit Februar 2009 arbeite ich an der Abteilung Konzerncontrolling. Ich freue mich sehr, dass ich mal auf Tchibo gekommen bin und eine Praktikumsstelle in dieser Abteilung bekommen habe. Da diese Abteilung zu einer Dachgesellschaft gehört, werden die wichtigsten Informationen über die Tätigkeit des Konzerns und die Zahlen von allen Tochterunternehmen zugeliefert und hier generiert und konsolidiert. Das erste Jahresquartal ist immer die Zeit der Geschäftsberichterstattung. Und ich war auch dabei. Die Arbeit an dem Konzernabschluss hat mir wirklich Spaß gemacht. Analyse der Zahlen, die Kommunikation mit anderen Tochterunternehmen fand ich sehr interessant. Ich habe sogar mein eigenesProjekt geführt, und zwar die Koordinierung der Geschäftsberichterstattung auf Englisch. Dazu gehört eine stündliche Verfolgung der Änderungen im deutschen Geschäftsbericht, rechtzeitige Lieferung neuer Informationen an die Übersetzer und ständige Kontrolle der Qualität der Übersetzung. Das war für mich eine riesige Erfahrung, denn ich habe alle Prozesse der Geschäftsberichterstattung von innen erlebt. Darüber hinaus war es für mich ganz neu, denn im GUS-Staaten-Raum existiert noch gar kein Begriff „Geschäftsbericht“, was nicht nur zahlreiche Tabelle mit den Kennzahlen bedeutet, sondern auch eine ausführliche und umfangsreiche Analyse der gesamten Tätigkeit eines Unternehmens.

Ich würde den kommenden Stipendiaten empfehlen, sich mal im voraus zu überlegen, in welchem Bereich sie ein Praktikum machen möchten und sich schon irgendwelche Ausschreibungen im Internet anschauen, denn in den meisten Fällen läuft das Bewerbungsverfahren per Internet.

h1Aber das Hauptziel des Stipendiums ist natürlich das Studium an einer deutschen Universität. Ein Semester habe ich an der Humboldt-Universität an der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät in Berlin studiert. Ich finde es toll, dass Copernicus das
Studium an den besten Universitäten Deutschlands ermöglicht. Das hat mich sehr weit nach vorne gebracht, weil ich nicht nur sehr wichtige für meine Fachrichtung Kenntnisse erworben habe, sondern gelernt habe, selbständiger und motivierter im
Studium zu sein. Das war mir natürlich nicht so einfach, mich schnell zurecht zu finden, denn das mit dem Studium funktioniert hier einfach ganz anders als in Minsk, aber die Copernicaner haben mir immer bei den Fragen bezüglich meines Studium geholfen.

Einer der wichtigsten Bestandteile des Lebens des Vereins ist das Plenum, das alle 2 Wochen stattfindet, und bei dem die wichtigsten Fragen des Copernicuslebens besprochen werden. Mir persönlich war es sehr interessant, diese zu besuchen, denn ich konnte einfach von innen sehen, wie alles läuft und wie hoch motiviert die Menschen sind, die dabei sind.

Ich möchte auch betonen, dass die Stipendiaten während des Aufenthaltes bei den Gastfamilien wohnen. Diese Idee finde ich klasse, denn die Studenten haben eine Möglichkeit, die deutschen Traditionen und Kultur richtig kennen zu lernen. Ich bin meiner Gastmutter sehr dankbar, denn wir haben uns sehr gut verstanden und sie ist für mich sogar zu einem Vorbild im Leben geworden.

h4Was noch sehr nett war, ist, dass wir, Stipendiaten und Copernicaner, häufig auch zusammen ausgegangen sind. Das bringt sehr viel, weil man die Menschen besser kennenlernt. Darüber hinaus haben wir ständig Mails von Copernicanern bekommen mit den Informationen über interessante Veranstaltungen, denn Berlin hat sehr viel in diesem Bereich zu bieten. Das hat uns Gelegenheit gegeben, etwas Neues zu erfahren, neue Kontakte zu knüpfen und uns weiter zu entfalten.

An dieser Stelle möchte ich allen Copernicanern, Gasteltern und auch Stipendiaten danken, dass sie an so einem tollen und bedeutsamen Projekt für richtige Zusammenarbeit zwischen West- und Osteuropa teilnehmen. Diese 6 Monate sind eines der tollsten Erlebnissen in meinem Leben. Ich hoffe, dass trotz der finanziellen Probleme Copernicus Berlin weiter existieren wird, denn der Verein hat die hochintelligenten und engagierten Mitglieder.

Vielen lieben Dank und viele Grüße
Hanna Masiuk

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