Copernicus Stipendium e.V. – Blog random header image

Go West mit Copernicus Berlin e.V. – Stipendien für osteuropäische Studenten

Juni 23rd, 2009 by Sascha Walther

(erschienen in Belarus-Perspektiven, Frühjahr 2009, S. 24: die Zeitung ist hier zu beziehen)

Zwei Mal jährlich trägt sich an Berliner Bahnhöfen eine besondere Szene zu. Da, wo sich sonst Bekannte in die Arme fallen, begegnen sich zum ersten Mal deutsche und osteuropäische Studenten, die der europäische Gedanke verbindet. In der Luft liegt das Gefühl aufregender Erwartung. Aus den bislang fremden Menschen werden bald gute Freunde werden.

Copernicus Stips WS 2008/09

Natalja ist eine der drei Stipendiaten des gemeinnützigen Vereins Copernicus Berlin e.V. Sie hat im Oktober 2008 den über 1.000 km weiten und 19 Stunden langen Weg aus dem belarussischen Minsk nach Berlin auf sich genommen. Bereits im Mai hatte sie sich bei Copernicus beworben, nachdem ihr ein Lektor der Robert-Bosch-Stiftung von der Studienmöglichkeit in Berlin erzählt hatte.

Copernicus ist ein studentischer Verein, der es sich zum Ziel gesetzt hat, Studierenden aus Osteuropa und Zentralasien mit einem halbjährigen Vollstipendium den Traum vom Studienaufenthalt in Deutschland zu erfüllen. Der Verein möchte die Lücke schließen, die in der osteuropäischen studentischen Bildungsmobilität durch soziale und finanzielle Benachteiligung entsteht. In den vergangen neun Jahren konnte der Verein bereits 60 Stipendiaten aus 18 Ländern fördern.

Die Mitglieder von Copernicus – Studenten und junge Berufstätige, die den Verein durch ihr ehrenamtliches Engagement tragen – entschieden sich im August 2008, Natalja ein Stipendium in Berlin zu ermöglichen. Für die junge Studentin der Volkswirtschaft bedeutete dies, dass sie ein Semester an der Humboldt-Universität Berlin studieren und ein Berufspraktikum absolvieren konnte. Ein halbes Jahr wohnte sie bei ihrer Berliner Gastfamilie und wurde von einem persönlichen Mentor betreut. Natalja, die in ihrem Heimatland gesellschaftlich engagiert ist und gute Studienleistungen zeigt, sollte der Blick über den Tellerrand hinaus ermöglicht werden, um mit ihren Erfahrungen den politischen Prozess in ihrer Heimat mitzugestalten.

Dass dieses Prinzip funktioniert, zeigte Natalja während ihres Länderabends, an dem sie die Reaktionen der belarussischen Regierung auf die Finanzkrise kritisch reflektierte. Sie argumentierte vor einem breiten Publikum, dass der Staat durch eine liberalere Wirtschaftspolitik einen Weg aus der Krise finden könne. Die anschließende Diskussion spiegelte das starke Interesse der Gäste an Belarus wider.

Beim Studium blieb es für Natalja jedoch nicht. Mit strahlenden Augen sagt sie rückblickend: „Ausschlaggebend für meine Bewerbung bei Copernicus war, dass es neben dem Studienstipendium noch ein Praktikum in Deutschland gibt, was bei anderen Programmen kaum zu finden ist.“ Tatsächlich konnte sie sich einen Traum erfüllen und ihr Praktikum bei einem großen Konzern im Controlling absolvieren. Dazu ermöglichte ihr Copernicus für zwei Monate die Unterkunft bei einer Gastfamilie in Hamburg, wo ihr Praktikumsgeber sitzt.

Sechs Monate Berlin waren seit Ende März 2009 vergangen und so trafen sich die Berliner Studenten von Copernicus und ihre Stipendiaten ein zweites Mal am Bahnhof – diesmal aber, um Abschied zu nehmen. Nicht mehr die aufregende Erwartung lag in der Luft, sondern Wehmut. Auch wenn die engagierten Vereinsmitglieder und ihre Stipendiaten nun räumlich weit getrennt sind, halten sie engen freundschaftlichen Kontakt. Für Copernicus ist es besonders interessiert, wie sich die ehemaligen Stipendiaten mit den in Berlin gesammelten Erfahrungen in ihrem Heimatland einbringen.

Natalja hat sich neue Ziele für die Zeit nach dem Stipendium gesetzt: „Ich habe vor mein Studium abzuschließen und parallel ins Berufsleben einzusteigen. Vielleicht mache ich auch den Master im Ausland. Außerdem will ich unsere Studenten besser über Stipendienprogramme informieren. Hier in Deutschland ist es so populär, ein Auslandssemester zu machen. Bei uns ist es leider nicht so. Ich will, diese Idee weiter zu verbreiten!“

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