Mit diesem Bericht möchte ich zukünftigen Stipendiaten mitteilen, was es für mich bedeutet hat, als Stipendiat bei Copernicus ein halbes Jahr in Berlin studieren zu dürfen.
Als ich mich für das Stipendium beworben hatte, war meine Motivation, die deutschen Sprachkenntnisse zu verbessern und neue Erfahrungen für meinen zukünftigen Lehrerberuf zu sammeln. Nachdem ich lange keine Antwort erhalten hatte, hatte ich schon fast die Hoffnung aufgegeben. Umso größer war meine Freude, als ich dann während meines fünften Fachsemesters an meiner Heimat-Universität in Taschkent, Usbekistan erfahren habe, dass ich der Copernicus-Stipendiat für das Sommersemester 2011 sein werde.
Endlich, am 28.März 2011 bin ich in Berlin angekommen. Am Hauptbahnhof hat mich Clara Kemme, die damalige Vorstandsvorsitzende, abgeholt. Die ersten drei Tage habe ich bei ihr gewohnt, weil meine Gastfamilie noch im Urlaub war. Clara war sehr gastfreundlich und ich habe mich bei ihr sehr wohl gefühlt.
Schon am Abend des ersten Tages habe ich meine Mentorin Victoria kennengelernt. Gemeinsam haben wir ein Bankkonto eingerichtet, die Krankenversicherung abgeschlossen und mich beim Bürgeramt angemeldet. Sie war vom ersten Tag bis heute immer als Ansprechpartner für mich da und hat mir viele gute Ratschläge und Tipps gegeben. Dafür bin ich ihr sehr dankbar.
Am 11.04.2011 hat endlich das Studium an der Humboldt-Universität zu Berlin angefangen. Einmal an dieser Uni zu studieren, war einer meiner Träume. Dank dem Copernicus Stipendium habe ich meinen Traum erfüllen können. Am Anfang fiel mir das Studium nicht so leicht, vor allem wegen der Sprachkenntnisse und des Ausbildungssystems, welches sich sehr von dem in Usbekistan unterscheidet. Im ersten Monat war ich damit beschäftigt, meine Studienfächer selbst zu organisieren und auszuwählen, was für mich eine ganz neue Erfahrung im Vergleich zum Studium in Usbekistan war. Meine Fakultät war die Philosophische Fakultät II. Ich möchte betonen, dass die Mitarbeiter sehr hilfsbereit sind und man brauchte keine Angst zu haben, sie anzusprechen und nachzufragen. Langsam, aber sicher habe ich mich gut an den Studienablauf gewöhnt. An der Uni habe ich viele Erasmus-Studenten aus der ganzen Welt kennengelernt. Mit den Kommilitonen haben wir oft zusammen verschiedene Veranstaltungen besucht und uns beim Studium gegenseitig geholfen.
Parallel zu meinem Studium im Fach Deutsche Literatur habe ich noch einen obligatorischen Deutschkurs am Sprachenzentrum der Humboldt-Universität belegt. In der Studiengruppe waren wir nur 15 Leute aus verschiedenen Ländern und so war der Kurs sehr effektiv und interessant. Auch außerhalb des Unterrichts fand sich die Gruppe zu verschiedenen Aktivitäten zusammen und wir konnten unsere Sprachkenntnisse so weiter verbessern. Die Methodik des Sprachunterrichts, wie z.B. praktische Gruppenarbeit, hat mir sehr gut gefallen und ich möchte diese Erfahrungen auch in meinen zukünftigen Beruf als Lehrer in meinem Unterricht verwenden. Zum Abschluss des Semesters habe ich vier Prüfungen abgelegt. Die guten Arbeitsbedingungen im Jakob-und-Wilhelm-Grimm-Zentrum der Universitätsbibliothek waren eine gute Hilfe für die Vorbereitung auf die Prüfungen, die ich alle mit guten Noten bestanden habe. Ich war sehr begeistert von der Vielfalt der Informationen in der Bibliothek im Vergleich zur Universitätsbibliothek in Usbekistan. Hier in Berlin konnte ich alle Informationen, die ich für mein Studium und die Vorbereitungen auf die Prüfungen brauchte, leicht finden. Auch sind die Professoren immer bereit den Studenten zu helfen.
Im Laufe des Semesters ist die am meisten gestellte Frage von den Copernicanern: „Hast du schon eine Praktikumsstelle bekommen?“ Dies war nicht so einfach. Ich habe mich bei verschiedenen Verlagen und Sprachschulen erfolglos beworben. Es gab viele Angebote in meinem Bereich, aber alle Angebote wurden für mindestens 4 Monate ausgeschrieben. Schließlich habe ich Dank meiner Gastmutter eine Stelle in einer Freien Schule bekommen. Die Schule heißt „MeineSchuleBerlin“. Die Arbeit an dieser Schule hat mir wirklich Spaß gemacht. Zu meinen täglichen Aufgaben gehörte es, die Kinder zu unterrichten und zu betreuen. Die Zusammenarbeit mit den Mitarbeitern dieser Schule hat mir viel für meinen zukünftigen Beruf gegeben. Die Erfahrungen, die ich hier gesammelt habe, kann ich in meinem Heimatland gut gebrauchen, weil ich im Oktober einen Monat lang in einer Schule in Taschkent ein Praktikum machen werde. Deshalb war das sehr vorteilhaft für mich. Der Tagesablauf und die Unterrichtsmethoden an der Freien Schule sind ganz anders als an den staatlichen Schulen in Usbekistan. Hier waren die Kinder freier in ihrem Lebens-und Lernrhythmus und konnten selbst wählen, was sie lernen wollen. Während meines Praktikums habe ich jeden Tag etwas Neues für mich erfahren und gelernt. Ich werde meine ersten Schüler bestimmt vermissen.
Einer der wichtigsten Momente während meines Aufenthaltes war mein Länderabend, der am 15.06.2011 stattgefunden hat. Das Thema meines Vortrags lautete: „Auf Seidenblatt von Samarkand – Deutsche Spuren in Usbekistan.“ Der Saal war total voll, es kamen mehr als 40 Leute. Ich war natürlich sehr aufgeregt, weil ich vor solch einem großen Publikum noch nie einen Vortrag gehalten habe. Zu meinem Vortrag kamen sogar der Mitbegründer von Copernicus, Herr Dirk Ahlers mit seiner Frau Sibylle. Diana und Guarani von Copernicus und meine Gasteltern haben eine sehr große Rolle bei der
Organisation meines Länderabends gespielt. Sie haben mich
moralisch unterstützt und haben viele Ratschläge gegeben, wie man sich in solch einer Situation fühlt und wie man auf die Fragen antworten soll. Außerdem haben wir usbekisch gekocht und gebacken und für das leibliche Wohl der 40 Zuhörer gesorgt.
Was mir am besten am Copernicus Programm gefallen hat, ist die Tatsache, dass alle Stipendiaten in deutschen Gastfamilien leben. Ich habe die Berichte von ehemaligen Copernicus-Stipendiaten gelesen und viele berichteten über ihre Erfahrungen in den verschiedenen Gastfamilien. Ich hatte großes Glück, Karin und Uwe waren sehr freundliche und hilfsbereite Gasteltern. Am Anfang gab es natürlich Schwierigkeiten miteinander, weil zwei Kulturen sich
begegneten. Aber nach einiger Zeit haben wir uns sehr gut verstanden und wie eine Familie zusammengelebt. Hier habe ich nicht nur die deutsche Sprache, sondern auch deutsche Kultur, Tradition und das Alltagsleben besser kennengelernt. Ich habe die ganze Familie und ihre Freunde kennengelernt und da Max (Sohn von der Gastfamilie) auch Student ist, konnten wir uns gut austauschen. Er studiert in München und besuchte uns ein oder zwei Mal pro Monat. Mit ihm habe ich mich über verschiedenen Themen unterhalten und wir haben uns sehr gut verstanden. In den letzten Monaten sind wir oft gemeinsam in die Bibliothek gegangen und haben viele andere interessante Sachen unternommen. Meine Gastfamilie war sehr gastfreundlich und hat mich vom ersten bis zum letzten Tag meines Aufenthaltes in Berlin unterstützt. Bei dieser Familie habe ich mich sehr wohl und wie zu Hause gefühlt.
Im Juli war das Bergfest von Maria, der anderen Copernicus-Stipendiatin aus Polen, und mir. Mit einigen Copernicanern sind wir zum Bowling am Alexanderplatz gegangen. Wir haben die Zeit sehr genossen und hatten viel Spaß dabei. In der Freizeit haben wir oft mit den Copernicanern etwas zusammen unternommen.
Zum Beispiel hatten wir im August mit Copernicus Hamburg ein Wochenendseminar in Pisselberg. Wir lernten die dortigen Stipendiaten und Copernicaner kennen und verbrachten drei interessante Tage zusammen. Jeder hielt einen Kurzvortrag und dann wurde gemeinsam darüber gesprochen und diskutiert. Am letzten Tag unseres Seminares sind wir zu einer Protestveranstaltung gegen Atomkraft gegangen. Ich habe noch nie in meinem Leben eine solche Demonstration gesehen und das war eine interessante Erfahrung über Demokratie in Deutschland.
Den zukünftigen Stipendiaten würde ich empfehlen, neben dem Studium an der Uni und dem Lernen in der Bibliothek in der Freizeit auch die kulturellen Angebote der Stadt Berlin zu nutzen. Ich schlage euch vor, dass ihr unbedingt die Museen auf der Museumsinsel während der Langen Nacht der Museen besucht. Auf keinem Fall sollte man das verpassen!
Das Copernicus-Programm soll so bleiben wie es ist. Es ist eine sehr gute Organisation mit einem tollen Engagement aller Freiwilligen. Auch ich habe mich während meines Aufenthaltes in Berlin freiwillig engagiert. Durch die Arbeit meiner Gastmutter im Berliner Ricam Hospiz ergab sich an einem Wochenende die Möglichkeit, einige Stunden für schwerkranke Menschen Gutes zu tun. Diese Chance nutzte ich und half einige Stunden dabei mit, diese Menschen froh zu machen.
Ich bin sehr froh, das Copernicus- Programm kennengelernt zu haben und sechs Monate hier in Berlin studieren zu können. Während meines Aufenthaltes in Berlin gab es für mich viel Neues zu entdecken und gute Erfahrungen für meinen weiteren Lebensweg zu machen. Ich habe gelernt, selbstständig in einer fremden Kultur gut zu Recht zu kommen. Meine Sprachkenntnisse haben sich verbessert, ich bin neugieriger geworden und habe ein Netzwerk mit vielen neuen Menschen geknüpft. Copernicus hat es mir ermöglicht, nicht nur meinen Traum zu verwirklichen, sondern hat mir auch geholfen, den richtigen Weg zum Erreichen meiner Ziele zu finden.
Dafür bin ich dem Verein und den Sponsoren sehr dankbar.
Alisher Khodjimatov
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