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Copernicus Länderabend: Wirtschaftskrise in Belarus – Ursachen & Folgen

Januar 2nd, 2012 by Guarani

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Am Mittwoch, 14. Dezember 2011, fand um 19:00 Uhr zum wiederholten Male ein Copernicus-Länderabend in den Räumen der Schwarzkopfstiftung in der Sophienstraße 28 in Berlin-Mitte statt. Dieses Mal informierte die Copernicus-Stipendiatin Tatsiana Bychkouskaya das Publikum über die Finanzkrise in Belarus. Tatsiana studiert Internationale Wirtschaft an der Belorussischen Staatlichen Universität in Minsk und ist in diesem Wintersemester zum BWL-Studium and der Humboldt-Universität in Berlin zu Gast.

IMG 1509Da der Fokus der Europäischen Union momentan auf das Ausmaß der Finanzkrisen in den südeuropäischen Staaten gerichtet ist, wählte die Referentin somit einen in den deutschen Medien wenig thematisierten Gegenstand, dessen Kenntnis jedoch für das Verständnis der politischen Handlungsmöglichkeiten des osteuropäischen Staates gegenüber der Europäische Union unabdingbar ist. Mit ihrer Präsentation gab die Referentin detailreichen Aufschluss über den Zustand des Landes vor der Krise, den Verlauf der Krise und ihre Folgen und analysierte die Möglichkeiten des Landes, der Krise zu begegnen.

IMG 1511Vor dem offenbaren Einsetzen der Krise im April 2011 schien die wirtschaftliche Lage des Landes stabil. Besonders im Zeitraum kurz vor und nach der Präsidentschaftswahl im Dezember 2010 waren die belorussischen Bürger aufgrund einer temporären Lohnsteigerung optimistisch gestimmt. Doch im Frühjahr dieses Jahres spielten die unzureichende Wirtschaftsleistung und die immense Auslandsverschuldung zusammen und veranlassten die belorussische Nationalbank, die Währung um 55% abzuwerten. Erschwerend kamen vonseiten Russlands eingeforderte Schulden hinzu, welche sich aus Deals bezüglich der Energielieferungen an Belarus ergaben und im Sommer 2011 fällig wurden.

IMG 1515Die plötzlich scheinende Verschlechterung der Wirtschaftslage führte zu einer Minimierung der Importe, Devisen wurden von der Bevölkerung sofort aufgekauft und leere Regale und Theken gehörten bald zum alltäglichen Bild in den Geschäften. Die Lebensmittelpreise stiegen innerhalb kürzester Zeit um ein Mehrfaches, sodass ein einziger Tageseinkauf der grundlegendsten Nahrungsmittel einen Belorussen das Zwölftel seines durchschnittlichen Monatsgehalts kosten kann. Lediglich die Steigerung der Preise für Alkohol blieb unter 100% – eine Tatsache, die durchaus als bewusst getroffene Maßnahme mit politischen Implikationen gewertet werden kann. Gleichzeitig wurden erhebliche Einschränkungen und Verbote für die Ausfuhr von sowohl Lebensmitteln als auch anderen Produkten wie z. B. Haushaltsgeräten erteilt, um die ohnehin angespannte Versorgungslage im Land nicht weiter anzuspannen.

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Da die Macht des Präsidenten Lukaschenko in diesem osteuropäischen Staat auch auf der Kontrolle des wirtschaftlichen Systems basiert, dieses jedoch am Rande des Zusammenbruchs steht, scheinen weitgehende politische Veränderungen imminent. Einerseits verweigert der IWF Kredite zur Rettung des Landes, solange dieses sich politischen Reformen und einer Demokratisierung verschließt, während die von Russland kontrollierte Eurasische Wirtschaftsgemeinschaft andererseits Kredite von umfangreichen Privatisierungen abhängig macht. So scheint auch die von Experten diskutierte Möglichkeit der Einführung einer anderen Währung, vor allem des russischen Rubels oder des Beitritts zur Eurozone, eine wenig wahrscheinliche Lösung des Problems.

Wie sich aus den Nachfragen und den Gesprächen mit dem sehr interessierten Auditorium ergab, schätzt auch Tatsiana als angehende Wirtschaftswissenschaftlerin und belorussische Bürgerin die Wahrscheinlichkeit einer Annäherung an Europa als gering ein, da das belorussische Regime dem damit verbundenen Druck nicht nachgeben würde. Schließlich bliebe es nur, abzuwarten, da angesichts der Unzufriedenheit der Bevölkerung und des Ausmaßes der Notlage bereits die nächsten Monate einen entscheidenden Wandel der jetzigen Situation herbeibringen könnten.

IMG 1519Dass die Wahl des Themas ein Erfolg war, bewies sowohl das zahlreiche Erscheinen der Gäste als auch der Grad ihrer Information und Diskussionsbereitschaft. Auch schwierigen Nachfragen aus dem Bereich der internationalen Wirtschaftspolitik begegnete die Stipendiatin souverän und eloquent und bewies dabei sowohl ihr Sachverständnis als auch ihre hervorragenden Deutschkenntnisse, welche auch vom Publikum überausIMG 1519-1 positiv kommentiert wurden. Zu selbst zubereiteten gefüllten Kartoffeln und Salat Olivier sowie einem Glas Wein wurden dann weitere Gespräche zwischen der Referentin, dem Publikum und den Organisatoren der Veranstaltung geführt, bevor der Länderabend seinen Ausklang fand.

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Text und Fotos: Aleksandra Kac, Copernicus Berlin e.V.

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