Copernicus Stipendium e.V. – Blog random header image

Einladung zum Länderabend am 15. Juni 19Uhr: Auf Seidenblatt von Samarkand – Deutsche Spuren in Usbekistan

Mai 27th, 2011 by Guarani
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Auf Seidenblatt von Samarkand
Deutsche Spuren in Usbekistan

Sehr geehrte Damen und Herren,

Copernicus Berlin e.V. lädt am Mittwoch, dem 15. Juni, um 19.00 Uhr zu einem Länderabend mit dem Thema Auf Seidenblatt von SamarkandDeutsche Spuren in Usbekistan in die Räume der Schwarzkopf-Stiftung in der Sophienstraße 28/29, Berlin Mitte herzlich ein.

Getrocknet honigsüße Früchte
Von Buchara, dem Sonnenland,
Und tausend liebliche Gedichte
Auf Seidenblatt von Samarkand…

Kein Geringerer als Johann Wolfgang von Goethe besang das Land in seinem „West-Östlichen Divan“. Wie zuvor Alexander der Große aus Mazedonien und der Venezianer Marco Polo erlagen seit dem 19. Jahrhundert auch Deutsche dem Charme des fernen Orients in Usbekistan und dem Mythos der Seidenstraße, der zum Inbegriff des Fernhandels in der Alten Welt und zur Verkehrsachse für seltene Waren wie Seide und Gewürze wurde. [Read more →]

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Abschlussbericht von Nino aus Georgien

April 25th, 2011 by clara
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Wenn jemand mir über meine größte Erfahrung fragen wird, werde ich bestimmt mein 6 monatiges Leben in Berlin nennen. Als ich damals meine Bewerbung gesendet habe, wusste ich schon ganz konkret wofür ich es brauchte. Meine Pläne und Hoffnungen sahen so aus: ich wollte an der Humboldt Universität studieren, ganz allein in eine, für mich unbekannte Kultur leben und für die Zukunft auch ein Praktikum machen, das in meinem Land fast unmöglich wäre.

Fangen wir an mit dem Studium (Psychologie). Am Anfang war es sehr schwierig für mich, den Inhalt der Vorlesungen zu verstehen. Die meisten Probleme entstanden aus sprachlichen Gründen. Die ersten Wochen hatte ich das Gefühl, dass ich nichts verstand und das war ein bisschen Anstrengend. Aber was ganz sympathisch war, war dass das ganze System und der Studienprozess in Deutschland besser organisiert und geplant war, als in meine Heimat. Was mir besonders gefallen hat, war die Möglichkeit die Fächer zu wählen und studieren, die es in Georgien überhaupt nicht gibt, z.B. „Persönlichkeit und Sexualität“.

Die Disziplin und der Professionalismus der Dozenten waren sehr stimulierend für mich. Auch die Lehrmethoden, die für mich ganz neu waren, haben mir sehr viel gebracht. Mein Studium ist produktiver geworden und ich glaube, dass ich auch in Tiflis diese Erfahrung sehr gut nutzen kann, obwohl es bei uns nicht so viele Ressourcen und Materialien gibt wie in Berlin. Die Bibliothek der HU ist ein Ort, den ich bestimmt vermissen werde. Da konnte ich alles finden, was ich brauchte oder lesen wollte, und ich glaube, dass ich die Möglichkeiten auch sehr gut genutzt habe.

Die Schwierigkeiten, die ich am Anfang hatte, wären bestimmt schwieriger gewesen, wenn ich ganz alleine, ohne Gastfamilie in irgendwelche WG gewohnt hätte. Die ganze Zeit die ich in Berlin war habe ich bei einer sehr netten Gastmutter gewohnt. Frau Schiebel war eine sehr große Unterstützung für mich und hat mir sehr geholfen mich besser an Deutschland zu adaptieren und gewöhnen. Wenn ich daran denke, erinnere ich mich besonders an die ersten Wochen, als ich mich ganz allein in eine große Stadt fühlte und nicht wusste wie ich mit S/U-Bahnen u.s.w. klar kommen sollte. Frau Schiebel war immer dabei und immer bereit mir alles zu erklären und zeigen.

Natürlich, manchmal gab es Missverständnisse, die, meiner Meinung nach wegen kulturellen Differenzen entstanden, aber im Allgemeinen kann ich sagen, dass wir sehr bequem zusammen gelebt haben und ich viel von ihr gelernt habe. Außerdem habe ich so das Leben in einer deutschen Familie kennengelernt. Ich hoffe, dass dieses 6 monatiges Zusammenleben ihr auch einen Einblick in den georgischen Lebensstil und die Leute gegeben hat.

Außer meiner Gastmutter gab es noch Copernicus, was auch eine sehr große Unterstützung für mich war. Meine Mentorin Diana war immer dabei wenn ich Probleme hatte oder etwas nicht verstanden habe. Ich werde mich immer sehr gerne daran erinnern. Besonders in der anstrengenden Zeit, als ich Prüfungen an der Uni hatte und meine Präsentation über Georgien machen sollte hat sie mir sehr untertützt und geholfen.

Auch die anderen Copernicaner waren immer sehr nett zu mir. Ich habe nie das Gefühlt gehabt, dass ich ganz allein in Berlin war und niemand für mich da war. Die Copernicaner waren immer da, und ich glaube, dass wir auch viel Spass zusammen gehabt haben.

Besonders gute Erinnerungen habe ich an unsere Seminarzeit in Wandergräben. Da haben wir auch die Stipendiaten und Copernicaner aus Hamburg getroffen und ich glaube, dass wir da 3 sehr gute und produktive Tage zusammen verbracht haben.

Im Februar, als ich schon fertig war mit meinem Studium, habe ich mein Praktikum bei Lesbenberatung e.V. gemacht. Das ist ein Punkt womit ich nicht ganz zufrieden bin. Obwohl die Kollegen sehr nett waren und die Atmosphäre sehr freundlich war, denke ich, dass ich meine Möglichkeiten und berufliche Wünsche nicht realisiert habe.

Insgesamt würde ich mein Leben in Berlin als eine ganz gute Chance schätzen und bin ich sehr zufrieden, dass alles ganz gut geklappt hat. Wofür ich gekommen bin habe ich 70% auch realisiert.

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Abschlussbericht von Oksana aus Belarus

April 6th, 2011 by clara
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Einmal und für immer in Berlin verliebt
Mein Abschlussbericht…so schwer darüber zu sprechen, so schwer darüber zu schreiben. Abschluss, Abschied, Abfahrt… davon, was mir so lieb ist, was ein unentbehrlicher Teil meines Lebens geworden ist, was mich so glücklich macht…die Tränen steigen mir in die Augen. Die Tränen der Freude und die Tränen der Traurigkeit zugleich. Ein Stück des Lebens ist vorbei, des glücklichsten Lebens, das ich hatte. Und es wird noch besser, das weiß ich bestimmt. Das Leben in Berlin hat mir gezeigt, dass jeder Tag und jede Nacht, die mir gegeben sind, wunderschön sind. Genieß dein Leben jetzt und heute – nach solchem Motto lebt man in Berlin. Es gibt Tage, die in einem Moment dein ganzes Leben verändern.
Ich erinnere mich genau an den Tag, oder genauer gesagt es war schon tiefe Nacht (2 Uhr), als ich die E-mail von Copernicus gelesen habe. Ich bin im Kreis der Favoriten für das Studium in Berlin!!! Ich war so aufgeregt, ich konnte kaum ein Wort aussprechen und ich konnte einfach nicht daran glauben. Nachdem ich das endlich begriffen hatte, sprang ich wie ein kleines Kind vor lauter Freunde auf mein Bett. Das war für mich eine schlaflose Nacht… Dann begannen die langen Tage der Erwartung und der Vorbereitungen. Ich erstaune mich immer darüber, wie viel Zeit und Mühe dieser langwierige Prozess der bürokratischen Formalitäten verlangt. Aber alles wurde geschafft und auf meinem Visum lächelte ein glückliches Gesicht. Die letzten Wochen vor Abreise konnte ich an nichts anderes als an Berlin denken. Leichten Herzens verließ ich Minsk, obwohl niemand mich an diesem Tag zum Bahnhof gebracht hatte. Ich bestellte ein Taxi, trug alleine meine schweren Koffer nach unten. Und jetzt mein erster Tipp für die zukünftigen Stipendiaten (insbesondere für die Stipendiatinnen): bringt nicht so viel Kleidung mit!!! Die kauft ihr hier. Aber selbstverständlich, Frauen sind Frauen. Sogar im Zug in meinem Schlafwagen war ich alleine. Ich habe da über vieles nachgedacht. Ich wusste nicht, was mich in Berlin erwartete, aber ich wusste, ich werde da glücklich. Und jetzt kann ich sicher sagen, das war die beste Zeit in meinem Leben, ich habe hier für diese sechs Monate so vieles und schönes erlebt, was ich in meinem ganzen vorherigen Leben nie erlebt hatte. Berlin ist für mich ein Zuhause geworden, da habe ich alles gefunden, dass ich brauche, da habe ich gelebt, da bin ich Berlinerin geworden.

Einfach Copernicaner, einfach Freunde
Aber ohne Copernicus wäre das unmöglich gewesen. Ich möchte mich bei allen Copernicanern bedanken. Vielen Dank!!!!! Was sie für die Stipendiaten über die Jahre gemacht haben und machen, kann man mit nichts vergleichen. Dank ihnen habe ich einen guten Start ins Leben bekommen, ich habe ein ganz anderes Leben gesehen und gelebt und das hat mich völlig verändert. Ich bin nicht dieselbe Oksana, die ich früher war. Ich bin hier erwachsener und erfahrener geworden. Ich weiß nicht genau, woran es liegen kann und wie ich das erklären soll, ich bin einfach anders, das fühle ich. Und natürlich haben mich neue Eindrücke, Kenntnisse und Menschen, die ich hier bekommen, gesammelt und kennengelernt habe, auf ihre besondere Art bereichert. Und ich fühlte mich hier nie alleine oder hilflos. Copernicaner standen immer mit Rat und Tat zur Seite. Und nicht nur in den organisatorischen Fragen. Wir haben zusammen auch eine schöne Zeit verbracht und vieles unternommen. Meine Freunde, die in Berlin ihr Austauschsemester mit anderen Programmen machten, beneideten mich sogar und bewunderten, dass es so was gibt. Copernicaner sind nicht nur die Organisatoren und Veranstalter, sondern auch gute Freunde. Mit ihrer Unterstützung habe ich mich schnell in mein neues Leben in Berlin eingelebt.

Sehr geehrter Herr Humboldt
Einmal an der HU in Berlin studieren zu können, ist wohl ein Traum für alle, die schon mal etwas von dieser weltbekannten Universität gehört haben. Als ich erfuhr, dass ich ein Semester an der HU studieren würde, freute ich mich riesig und war natürlich stolz, eine der Studentinnen dieser renommierten Universität zu sein. Außerdem wollte ich das deutsche Universitätssystem hautnah erleben, davon hatte ich nämlich schon viel gehört oder gelesen. Gerade hier in Berlin fühlte ich mich wie eine richtige Studentin und konnte endlich von meinem Studium genießen. Ich habe Fächer gewählt, die mich wirklich interessierten und die für meinen zukünftigen Beruf von großen Nutzen sind. Im Vergleich zu meinem Studium in Belarus, wo wir einem festen Studienplan folgen und eine Menge Fächer, die eigentlich für uns und für unseren Beruf gar keinen Zweck haben, pauken müssen, ist das Studium in Deutschland ein guter Standort für alle, die wirklich studieren und etwas Praktisches erwerben wollen. Natürlich verlangt das aber viel selbstständige Arbeit und Verantwortung. Nichts fällt einfach so vom Himmel in die Hände.
Ich möchte Dolmetscherin werden. Eigentlich besuchte ich keine Vorlesungen, nur Seminare und Übungen, wo wir mit anderen Studenten im kleinen Kreis gut zusammen arbeiten konnten. Das verlief immer in einer freundlichen Atmosphäre, ungezwungen und das war sehr effektiv, weil jeder jedes Mal abgefragt wurde. Natürlich mussten wir immer viel Hausarbeiten machen und dann noch vier Stunden pro Tag intensiv in unseren Kabinen dolmetschen. Aber das lohnte sich, weil ich hier in vier Monaten mehr gelernt habe, als in vier Jahren Studium in Minsk. Außerdem hatten wir eine gute Möglichkeit, uns in die berufliche Tätigkeit des Dolmetschers unmittelbar zu vertiefen, weil wir verschiedene Fachgespräche und Veranstaltungen besuchten und die Dolmetscher (unter ihnen auch verdiente Dolmetscher!) kennenlernten.
Meine Sprachkurse haben mir auch viel Spaß gemacht, vielleicht nicht nur wegen was ich hier gelernt habe, sondern wegen zahlreichen Freundschaften, die ich mit jungen Menschen aus der ganzen Welt geschlossen habe. Ich finde es außerordentlich interessant, wie Leute kommunizieren und dabei eine Sprache benutzen, die eigentlich nicht ihre Muttersprache ist. Aber das verbindet und man versteht sich bei den ersten Worten. Ich hatte eine wirklich tolle Gruppe und zusammen haben wir vieles in unserer unterrichtsfreien Zeit unternommen. So waren wir z.B. zusammen in Leipzig, wo wir einen schönen vorweihnachtlichen Tag verbracht haben.
Das einzige, was mir nicht besonders gefallen hat, ist der Fall mit meinem Studentenausweis, der eigentlich dadurch verursacht wurde, dass alles hier (z.B. Registrierung) online, durch Internet verläuft. Und wenn darin ein Fehler auftritt, dann braucht man wirklich viel Nerven und viel Zeit, um das lösen zu können. Ich habe meinen Studentenausweis erst im Januar bekommen, weil ich bei einem anderen Studiengang eingeschrieben war als ich studieren wollte. Ich bekam erst drei vorläufige Bescheinigungen, mit denen ich oft Probleme hatte. So wurde ich eines Tages von den Kontrolleuren in der S-Bahn der Verfälschung meines Studentenausweises bzw. dieser vorläufigen Bescheinigung beschuldigt. Das war eine sehr unangenehme Situation, weil man mich überhaupt nicht hören wollte und ich ziemlich grob von ihnen behandelt wurde. Außerdem riefen sie noch die Polizei, die ich übrigens sehr nett finde. Nach einem kurzen Anruf an die Uni wurde alles geklärt und ich wurde freigelassen. Aber ich fühlte mich den ganzen Tag so gedemütigtg. Und was komisch war, als ich meinen Studentenausweis endlich bekam, standen drei Fächer drauf, die ich überhaupt nicht studierte. Aber ich war so glücklich, endlich meinen Studentenausweis zu haben und so beschloss ich, nichts zu ändern lassen, weil es sonst noch drei Monate dauern könnte.

Von der Mitte ins Grüne
Vor meinem Aufenthalt in Berlin hatte ich schon eine Erfahrung mit einer deutschen Gastfamilie. Das war für mich nicht neu, aber ich war gespannt und natürlich etwas aufgeregt, weil ich mit dieser neuen Familie nicht ein paar Wochen zusammen wohnen würde, sondern sechs Monate. Ich wusste nicht, wie ich mich verhalten musste, weil es selbstverständlich ist, dass jeder schon seit vielen Jahren seine Gewohnheiten hat und es ist immer schwer, sich an neuen Bedingungen anzupassen. Aber bleibt so, wie ihr seid. In meinem Fall konnte ich mir das sogar nicht besser vorstellen. Keine Hemmungen und keine Verlegenheit gab es zwischen uns. Aber es passierte so, dass ich während meines Aufenthaltes zwei Gastfamilien hatte. Und ich habe wirklich eine schöne Zeit mit beiden Familien zusammen verbracht. Die ersten zwei Wochen wohnte ich noch bei Clara und sie hat mir in dieser Zeit sehr geholfen, damit ich mich ins Leben in Berlin anpassen konnte. Die ersten Tage hat man nur Fragen, weil alles so unbekannt ist. Und dieses unglaubliche S- und U-Bahn-Netz!! Ich dachte, ich slerne nie, wie das mit dem zahlreichen Umsteigen funktioniert. Ich hatte anfangs sogar Angst, alleine mit der S-Bahn zu fahren und mich in dieser riesigen Stadt zu verlaufen. Aber in der Wirklichkeit ist es ganz einfach, mit der Zeit geht es automatisch und man braucht dann keinen Fahrplan mehr.
Niemand von den ehemaligen Stipendiaten wohnte so zentral wie ich, in Mitte. Fünf-Sieben Minuten zu Fuß –und du bist am Alex oder auf der Museuminsel, eine Station mit der S-Bahn – und ich war an der Unil!!! Vier Monate wohnte ich bei meinem Gastvater Bernd in den Hackeschen Höfen und ich bin für diese Zeit etwas verwöhnt geworden, aber im guten Sinne des Wortes. Jeden Tag erwachte ich von den Stimmen von Touristen, die unten durch die Höfe herumliefen. Wohl jeder wünscht sich mal im Luxus zu leben. Aber das allerwichtigste ist natürlich das gute Verständnis und Verhalten mit den Menschen, bei denen man wohnt. Und das hatte ich auch. Ich war völlig selbstständig, kochte sogar für mich selbst. Mit meinem Gastvater frühstückten wir aber manchmal zusammen oder wir hatten ein schönes Abendessen mit Wein und einem guten Gespräch. Leider verbrachten wir nicht so viel Zeit zusammen, weil Bernd oft unterwegs war und ich hatte schon seit den ersten Wochen meines Aufenthaltes so viele Freunde, dass ich einfach nicht zu Hause bleiben konnte.
Nach 4 Monaten musste ich umziehen, weil ein Familienmitglied das Zimmer brauchte. Der Abschied fiel mir ziemlich schwer, ich hatte mich an mein neues Leben und meinen Gastvater gewöhnt, aber ich bedauere nichts, weil meine neue Gastfamilie eine richtige Familie für mich war und sie hatte solche Bedingungen geschafft, dass ich mich hier wie zu Hause fühlte, wohl und ganz frei in meinen Tätigkeiten und Bewegungen. Und das finde ich toll, wenn man in nichts beschränkt wird. Ich habe hier eine andere Seite von Berlin kennengelernt, Zehlendorf, ein grünes Fleckchen auf dem Stadtplan.
Mit meiner neuen Gastfamilie habe ich erlebt, was eine große Familie bedeutet und habe hier so viele Enkelkinder kennengelernt. Mit meinem Gastvater Claudius haben wir einige schöne Ausflüge ins Grüne gemacht und er zeigte mir Berlin von einer ganz anderen Seite mit viel Grün, Wasser und Natur. Danke an meine Gastmutter Ursula für ein so leckeres Essen, das sie für uns gekocht hat. Was ich auch sehr interessant finde, ist unsere Art zu kommunizieren, ich habe nämlich mit meinem Gastvater per Internet kommuniziert. Er saß in seinem Zimmer oben und ich in meinem unten, und so konnten wir von einander kleine Nachrichten bekommen.

Laminieren und frankieren
Es kam so, dass ich mein Praktikum erst eine Woche vor Beginn gefunden habe. Es war nicht leicht einen Praktikumsplatz zu finden, weil sechs Wochen fürs Praktikum zu kurz sind und die meisten Arbeitgeber eine Praktikantin für mindestens drei Monate brauchen. Oder es dauerte so lange, weil ich meine Suche anfangs nicht so ernst nahm und nur im letzten Monat anfing, aktiv etwas zu suchen.
Als ich jeden Tag mit der U-Bahn zum Praktikum fuhr, dachte ich oft daran, wie es schön es wäre, wieder zur Uni zu gehen. Damit will ich nicht sagen, dass es schlecht war. Nein. Mir fehlten einfach meine Freunde von der Uni, diese studentische Atmosphäre und eine bestimmte Sorglosigkeit. Und dazu musste ich jeden Tag früh aufstehen, das war wohl das Schwerste für mich während meines Praktikums.
Dank der Hilfe meines Gastvaters Claudius habe ich einen Praktikumsplatz beim Forum Berufsbildung e.V. in der Abteilung Marketing bekommen. Es hat eigentlich mit meiner Fachrichtung nichts zu tun, aber für mich waren das Arbeitsklima und der Umgang mit dem Team viel wichtiger. Und die habe ich bekommen. Alle Mitarbeiter waren sehr nett, und für mich war es zuerst etwas Ungewöhnlich, dass die Menschen einander begrüßen, sogar jene, die ich nicht kannte. Aber dadurch hatte ich das Gefühl, dass ich auch diesem Team gehörte. Von meiner Tätigkeit war ich anfangs nicht so begeistert, aber das ist selbstverständlich – Bürotätigkeit, was soll da Spannendes und Interessantes sein? Aber ich finde das gut, dass ich von den anderen auch als eine der Mitarbeiterinnen betrachtet wurde. Ich habe hier einen Blick in die Arbeitswelt einer deutschen Organisation bekommen und einiges gelernt, was mir in meinem zukünftigen Leben bestimmt hilfreich wird. Ich habe auch begriffen, dass man sich keine Illusionen machen muss, dass Arbeitsgeber mit offenen Armen auf dich warten. Um etwas im Leben erreichen zu können, braucht man einige Jahre harte Arbeit und wenn mal etwas schief läuft, lass den Mut nicht sinken!

Genießt euer Leben
So kann man noch vieles über meinen Aufenthalt in Berlin erzählen, weil jeder Tag ganz besonders und ereignisvoll war. Aber es tut mir leid, ich kann so was nicht leisten, ich muss dringend weg, um meine letzten Tage in dieser schönen Stadt zusammen mit vielen Freunden noch genießen zu können. Leider hatte ich nicht genug Zeit, um alles besuchen und besichtigen zu können. Das konnte ich mir einfach körperlich nicht leisten, da in Berlin jeden Tag etwas abläuft, was für die jungen Leute besonders interessant und anziehend ist. Sitzt nicht zu Hause! Entdeckt die Stadt, jeden Tag!!! Fahrt mit der U-Bahn oder S-Bahn, steigt irgendwo aus, wo ihr noch nicht wart und geht einfach durch die Straßen spazieren. Da kann man eine Menge Neues entdecken, was schön, ungewöhnlich oder für jemanden sogar abscheulich sein kann. Berlin ist verschieden, einmalig, aber trotzdem so lieb. Lernt neue Menschen kennen, fragt und kommuniziert. Einmal in Berlin zu leben, bedeutet für immer in Berlin verliebt zu sein. Vielen Dank an alle Copenicaner, meine Gasteltern, meine lieben Freunde und an diese schöne Stadt Berlin!!!

März 2011
Oksana Ratschizkaja

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Stipendiatin Nino aus Georgien: Mein Länderabend

Februar 14th, 2011 by Sina-Mareen
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Die Copernicus-Stipendiatin Nino aus Georgien berichtet, wie sie ihren eigenen Länderabend am 2. Februar 2011 zum Thema “Die Autorität der orthodoxen Kirche in Georgien” erlebt hat:

“Am 30. Januar war alles schon vorbereitet: die Einladungen waren gesendet, mein Vortrag war auch fertig.  Das alles zusammen bedeutete nämlich nur eins: zwei Tage später sollte ich mein Vortrag vor dem deutschsprachigen Auditorium halten. Ich war ein bisschen nervös, denn ich hatte nie außer auf Georgisch einen Vortrag präsentiert. Es gab sehr viele Fragen in meinem Kopf. Wie wird es laufen, kann ich das  echt schaffen?

Am 2. Februar war alles klarer und deutlicher, die eingeladenen Leute waren schon im Gebäude der Schwarzkopf-Stiftung und alle warteten auf einen interessanten Vortrag.  Am Anfang war es ein bisschen schwierig, aber dann lief alles sehr gut. Was mir besonders gefallen hat, war die Reaktion vom Publikum nach dem Vortrag. Man konnte sehen, dass das Publikum sehr großes Interesse zu meinem Thema hatte, und die halbe Stunde, die ich als Antwortgeberin verbracht habe, habe ich besonders spannend gefunden . Es gab sehr viele interessante Fragen und Anmerkungen, viele verschiedene Meinungen und Positionen.

Insgesamt bin ich sehr zufrieden mit meinem Länderabend, weil das Ziel des Abends war erreicht – ich wollte bloß ein interessantes, unbekanntes und problematisches Thema präsentieren, worüber man später eine  lebendige Diskussion führen konnte.”

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EINLADUNG ZUM LÄNDERABEND Die Autorität der orthodoxen Kirche in Georgien

Januar 16th, 2011 by Diana
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Copernicus Berlin e.V. lädt am Mittwoch, dem 2. Februar 2011, um 19.00 Uhr zu einem Länderabend mit dem Thema “Die Autorität der orthodoxen Kirche in Georgien” in die Räume der Heinz-Schwarzkopf-Stiftung in der Sophienstraße 28/29, Berlin Mitte herzlich ein.

Die orthodoxe Kirche Georgiens ist eine der ältesten christlichen Kirchen der Welt. Bei der Nationalbildung des Landes hat sie eine wichtige Rolle gespielt. Auch heute weist die orthodoxe Kirche in Georgien nicht nur zwischen Georgiern, sondern auch zwischen Aserbaidschanern, Armeniern, Katholiken und Juden eine hohe Autorität auf.

Die georgische Copernicus-Stipendiatin Nino Gugushvili studiert Sozial- und Politikwissenschaften an der Staatlichen Universität Ivane Javakhishvili in Tiflis. Nino gibt einen Einblick in ihr Heimatland und diskutiert, welche Rolle die orthodoxe Kirche in der Geschichte Georgiens hatte und welche Rolle sie heute einnimmt. Welche Probleme gab es nach dem Zerfall der Sowjetunion? In welcher Beziehung stehen Kirche und Regierung zueinander? Geht eine Gefahr aus dem religiösen Extremismus hervor? Anschließend besteht die Möglichkeit, Fragen zum Thema zu stellen und die Diskussionsrunde mit eigenen Beiträgen zu bereichern.

Der Verein lädt die Teilnehmer im Anschluss an die Veranstaltung zu weiteren Gesprächen im informellen Rahmen bei einem kleinen Buffet mit Getränken und selbst zubereiteten, osteuropäischen Spezialitäten ein.

Der Eintritt ist frei. Spenden für die Arbeit des Vereins sind willkommen. Diese Einladung kann gerne an Freunde und andere Interessenten weitergegeben werden!

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Copernicus-Auftakt ins Jahr 2011: Politisches Seminar auf Schloss Wendgräben

Januar 14th, 2011 by Sina-Mareen
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Vom 7. bis 9. Januar trafen sich Aktive und Stipendiaten der Copernicus-Vereine aus Berlin und Hamburg zum politischen Seminar auf Schloss Wendgräben. Thema des Seminar, das bereits zum vierten Mal im Bildungszentrum der Konrad-Adenauer-Stiftung stattfand, war „Zwei Jahrzehnte nach dem Untergang der kommunistischen Diktaturen: Religiöse Traditionen und religiöse Wiedergeburt in den Staaten unter dem ‚roten Stern‘“.

Das Programm war wieder bunt und intensiv: Der Referent Prof. Dr. Peter Maser vermittelte anschaulich Grundlegendes, Wissenswertes und persönlich Erlebtes; im Rahmen einer Exkursion besichtigten wir das Kloster Jerichow sowie die ehemalige Kaiserstadt Tangermünde und die Stipendiaten präsentierten im Rahmen von Vorträgen die Situation von Religion und Kirche in ihren Heimatländern: Belarus, Ukraine, Georgien und Kasachstan.

Am Samstagabend versammelten sich Copernicaner und Stipendiaten zum traditionellen Kulturabend, an dem jeder einen Beitrag aus der Kultur seines Landes zum Besten gab. Vom kasachischen Lied über belarussische Tänze bis zu ukrainischen Hochzeitsbräuchen war alles dabei.

Stipendiatin Oksana zieht folgendes Fazit: „Das Wochenende im Schloss Wendgräben war für mich ein schönes Erlebnis. Nicht nur, weil ich auf dem Schloss ein bisschen Luxus hautnah erleben konnte, sondern auch wegen der neuen Bekanntschaften, interessanten Gesprächen und der schönen Exkursionen nach Tangermünde und Jerichow.“

Auch Stipendiatin Nino hatte ihren Spaß: „Das Wochenende war eine sehr interessante und ungewöhnliche Erfahrung für mich. Ich habe viele Leute kennengelernt, sehr viele nützliche Informationen erhalten und ohne Computer und Internet gelebt.“

Die Kombination aus politischer Bildung, Stärkung der Vernetzung der verschiedenen Copernicus-Vereine und gemeinsamem Spaß macht die Seminare, die einmal pro Semester stattfinden, zu einem unverzichtbaren Bestandteil des Stipendienprogramms und der Vereinsarbeit.

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Einladung zum Länderabend am 1.12.2010 in Berlin!

November 19th, 2010 by Sascha Walther
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Belarus am Vorabend großer Ereignisse: Die Präsidentschaftswahl und die Medien

Copernicus Berlin e.V. lädt am Mittwoch, dem 1. Dezember 2010, um 19.00 Uhr zu einem Länderabend mit dem Thema Belarus am Vorabend großer Ereignisse – Die Präsidentenwahl und Medien in die Räume der Heinz-Schwarzkopf-Stiftung in der Sophienstraße 28/29, Berlin-Mitte herzlich ein.

Belarus steht vor großen Ereignissen. Auf den 19. Dezember 2010 wartet nicht nur Belarus, auch Europa und die ganze Welt beobachten gespannt, wie sich das belarussische Volk entscheiden wird. Was wird die Präsidentschaftswahl in Belarus bewegen? Annäherung an Europa oder eigenständiger Weg?

Die belarussische Copernicus-Stipendiatin Oksana Ratschizkaja studiert Moderne Fremdsprachen an der Staatlichen Linguistischen Universität Minsk. Oksana gibt einen Einblick in ihr Heimatland und diskutiert aktuelle Fragen und Ereignisse kurz vor der belarussischen Präsidentschaftswahl. Dabei reflektiert sie die Stimmung in der Bevölkerung und die mediale Berichterstattung. Ist Belarus immer noch ein Land ohne Presse- und Meinungsfreiheit? Gibt es Konfrontationen zwischen staatlichen und unabhängigen Medien? Beeinflusst die geltende Macht die Medien oder führen sie einen konstruktiven Dialog miteinander? Im Anschluss an den Vortrag besteht die Möglichkeit, Fragen zum Thema zu stellen und die Diskussionsrunde mit eigenen Beiträgen zu bereichern.

Copernicus lädt die Teilnehmer im Anschluss an die Veranstaltung zu weiteren Gesprächen im informellen Rahmen bei einem kleinen Buffet mit Getränken und selbst zubereiteten, osteuropäischen Spezialitäten ein.

Der Eintritt ist frei. Spenden für die Arbeit des Vereins sind willkommen.

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Abschlussbericht vom Jubiläum

November 8th, 2010 by clara
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Abschlussbericht vom zehnjährigen Jubiläum von Copernicus Berlin e.V.

vom 10.-12. September 2010

1. Das Projekt
Copernicus Berlin arbeitet seit nunmehr zehn Jahren im Auftrag der Völkerverständigung und des Ausgleichs von Bildungschancen. Darum richtete der Verein am 10. – 12. September 2010 ein multinationales treffen mit Workshopcharakter unter dem Titel „Friedliches Zusammenwachsen in Europa“ in Berlin aus. Damit wollten wir unsere Arbeit reflektieren, eine nachhaltige Netzwerkarbeit ermöglichen und uns bei allen Unterstützenden der letzten Jahre bedanken. Im Rahmen von Vorträgen und Workshops wurden aktuelle Aspekte aus Politik und Wirtschaft im Hinblick auf Osteuropa erörtert, die zu unserer Arbeit der letzten Jahre und den Werdegang unserer Alumni in Beziehung stehen. Außerdem wurde eine Feierlichkeit veranstaltet, um gemeinsam mit den Teilnehmern auf die zehnjährige Vereinstätigkeit zurückzublicken.

2. Die Ziele
Das Ziel der Veranstaltung war der Austausch und die Verständigung, sowie die Vernetzung der Teilnehmer im Hinblick auf die Integration und Zusammenarbeit von Europa und den Staaten Osteuropas sowie Zentralasiens. Wir wollten die Möglichkeit nutzen, um mit Experten aus vielen osteuropäischen Staaten aktuelle Themen zu diskutieren, verschiedene Standpunkte zu erörtern und für Probleme zu sensibilisieren. Zudem wollten wir im Rahmen eines Zukunftworkshops die Arbeit von Copernicus Berlin evaluieren. Die Ergebnisse sollten von uns auf ihre Machbarkeit hin geprüft und umgesetzt werden. Desweiteren wollten wir unsere Alumni vernetzen und die bestehenden Strukturen und Ressourcen besser für unsere Vereinsarbeit nutzen. Das Jubiläum sollte uns ermöglichen, eine Bilanz unserer Arbeit zu ziehen.

3. Das Programm

Workshop "Folgen der Wirtschaftskrise"

Die Veranstaltung fand in der Alten Feuerwache (Axel-Springer-Strasse 40/41, 10696 Berlin-Kreuzberg) statt. Um den Zielen gerecht zu werden, wurde das Programm aus drei verschiedenen Sparten zusammengestellt. Für den Austausch und die Vernetzung wurden informelle Aktivitäten wie eine Schifffahrt und ein Fest organisiert. Um die inhaltliche Diskussion über Osteuropa und Zentralasien anzukurbeln, boten Experten aus dem politischen und wirtschaftlichen Bereich Vorlesungen und Workshops an. Für den Rückblick und die Verbesserung unserer Vereinsarbeit fand eine Zukunftswerkstatt statt und kamen Alumni regelmäßig zu Wort.

3.1. Inhaltlichen Dialog über Zusammenarbeit in Osteuropa, Zentralasien und Europa
Am Samstag den 11.09.2010 gab es für alle Gäste eine offizielle Eröffnung des Jubiläums unter dem Motto „Friedliches Zusammenwachsen in Europa“, bei dem sowohl Osteuropaexperten als auch Alumni zu Wort kamen. Als erstes stand der Verein an sich im Mittelpunkt. Gründungsmitglied Axel Schuchart erzählte wie Copernicus Berlin e.V. vor zehn Jahren zustande kam. Alumni aus verschiedenen Ländern (Tschechische Republik und Slowakei) und Jahrgängen schilderten was Copernicus für ihren Lebensverlauf bedeutet hat. Außerdem präsentierte die Initiative Mittel- und Osteuropa sich dem Publikum und zeigte welche Unterstützung die Organisation den Vereinsaktiven bei ihrer Arbeit geben kann. Die Zusammenarbeit im Netzwerk von Vereinen aus Mittel- und Osteuropäischen Ländern ist wichtig für die Vernetzung und den Erfahrungsaustausch von Copernicus.

Anschließend kam es zum thematischen Teil des Tages, der ausgelegt war mit einer Vorlesung und drei Workshops. Als Key-Note Sprecher erklärte Manuel Sarrazin, Mitglied des Bundestages und Europasprecher für Bündnis 90/ Die Grünen, welche Schritte Länder unternehmen müssen, um der Europäischen Union beizutreten und legte er dar, was die Perspektiven von osteuropäischen und zentralasiatischen Staaten im Hinblick auf Zusammenarbeit mit der Europäischen Union sind. Es entstand eine rege Diskussion über einerseits die Gerechtigkeit der Anforderungen der EU und andererseits die eigenen Erwartungen der osteuropäischen und zentralasiatischen Länder gegenüber der EU.

Ebenso rege wurde in drei parallelen Workshops diskutiert. Zum einen wurden in einem Simulationsspiel die Schwierigkeiten der interkulturellen Verständigung bloßgelegt und auf spielende Weise Kommunikationslösungen erarbeitet. Im zweiten Workshop ging es um europäische Erinnerungsorte und die Frage der Identität in GUS-Ländern. Es wurde diskutiert, inwiefern diese Länder Teil sind der europäischen Geschichtswahrnehmung oder ob sie einen eigenen geschichtlichen Weg gegangen sind. Außerdem wurden verschiedene Kulturräume analysiert (polnisch-ukrainisch-litauischen Kulturraum, der Einfluss von Russland oder der Türkei und das Abendland). Im dritten Workshop wurde zusammen mit einem Panel von Wirtschaftsexperten aus Mitteleuropa die aktuelle Wirtschaftskrise aufgearbeitet. Die wirtschaftliche Situation der Beitrittskandidaten der EU und der neuen europäischen Mitgliedstaten vor und nach der Krise wurde dargelegt und es wurde diskutiert welche Maßnahmen der jeweiligen Länder erfolgreich waren und welche nicht. Die Workshops wurden geleitet von Experten aus unterschiedlichen Herkunftsländern und mitgestaltet von Alumni von Copernicus. Durch diesen multinationalen Perspektivwechsel entstand eine Diskussion mit sehr unterschiedlichen Blickwinkeln. Die vergleichende Herangehensweise ermöglichte sowohl Besonderheiten wie Gemeinsamkeiten zwischen Deutschland und den jeweiligen osteuropäischen und zentralasiatischen Staaten untereinander herauszuarbeiten.

3.2. Austausch und Vernetzung

Gasteltern und Alumni sehen sich wieder

Neben dem inhaltlichen Austausch über die Zusammenarbeit in Deutschland, Osteuropa und Zentralasien war Ziel der Veranstaltung eine persönliche Verständigung und Vernetzung unter den Teilnehmern zu fördern. Hierzu gab es Gelegenheit während der einführenden Schifffahrt auf der Spree. Die Teilnehmer stellten sich einzeln vor und die gemütliche Einrichtung des Schiffes ermöglichte einen informellen Austausch auf dem Hintergrund der Innenstadt von Berlin aus einer ungewöhnlichen Perspektive. .

Interkulturelle Verständigung war auch angesagt während einem Fest zu Ehren des zehnjährigen Jahrestages des Vereins am Samstagabend. Bei verschiedenen Kulinaria aus Osteuropa und Zentralasien wurde der Austausch, aber auch das Verständnis der teilnehmenden Nationen untereinander gefördert. Außerdem gab es armenischen Gesang und wurde gemeinsam ein polnisches Geburtstagslied gesungen. Herr Fried Nielsen vom deutschen Auswärtigen Amt eröffnete die Feierlichkeit offiziell.

In diesem informellen Rahmen konnte der Netzwerkcharakter der Veranstaltung verstärkt werden. Vor allem Alumni von verschiedenen Jahrgängen traten miteinander in Kontakt und tauschten ihre Erfahrungen aus. Auch für den Verein war es wichtig, diese Erfahrungen anzuhören und wir haben sie mitgenommen in unsere Evaluation des Stipendienprogramms. Durch den persönlichen Kontakt zwischen den Vereinsmitgliedern und Alumni wurde außerdem eine Grundlage geschaffen für die Ausarbeitung einer nachhaltigen Zusammenarbeit zwischen ihnen zu Gunsten zukünftiger Stipendiaten.

3.3. Zukunftsperspektiven für Copernicus
Am Sonntag fand in der Zukunftswerkstatt eine kritische Auseinandersetzung mit dem Stipendienprogramm von Copernicus statt. In drei Arbeitsgruppen wurden die Erwartungen und Erlebnisse unserer Stipendiaten, Vereinsaktiven und Gasteltern gesammelt. Aus den Resultaten haben wir einen Bericht zusammengestellt, der zur Optimierung des Stipendienprogramms dient. Außerdem wurde dieser Bericht als Grundlage für eine Strategiesitzung über die Vereinsarbeit genutzt. In dieser Sitzung wurden konkrete Maßnahmen formuliert, die wir noch in diesem Jahr umsetzen werden.

4. Schlussfolgerung
Die Ziele der Jubiläumsveranstaltung waren kurz gefasst dreiteilig. Als erstes sollte über ein inhaltliches Programm mit Workshops und einer Vorlesung das kulturelle und politische Verständnis der Teilnehmer für die unterschiedlichen Länder gefördert werden im Hinblick auf die Integration und Zusammenarbeit von Europa und den Staaten Osteuropas sowie Zentralasiens. Aktuelle Themen wurden angeregt diskutiert und verschiedene Standpunkte wurden erörtert.

Das zweite Ziel war der Austausch und die Verständigung sowie die Vernetzung der Teilnehmer. Diese wurde unter anderem erreicht durch informelle Veranstaltungen mit einem klaren Rahmenprogramm wie die Schifffahrt und das Fest. Der Verein konnte seine Kontakte mit Gasteltern und ehemaligen Vereinsmitgliedern verstärken und die Bindung an Copernicus verbessern. Ihre Kenntnisse wurden schon im Monat nach dem Jubiläum verstärkt genutzt und die beiden Zielgruppen werden in Zukunft noch persönlicher in die Vereinsarbeit mit einbezogen. Auch der Kontakt mit den Alumni wurde verbessert und es trat eine deutliche Vernetzung auf zwischen den verschiedenen Jahrgängen von ihnen. Über Facebook wird dieses Netzwek intensiviert und zugänglich gemacht für neue Stipendiaten. Auch die Vernetzung mit anderen Organisationen wurde vorangetrieben. In direkter Nachfolge zum Jubiläum wurde schon mit People to People International und Initiative Mittel- und Osteuropa zusammengearbeitet und es steht eine Führung im Auswärtigen Amt an sowie ein Projekt mit der serbischen Botschaft.

Als drittes wollten wir die Gelegenheit nutzen um eine Bilanz unserer Arbeit von den letzen zehn Jahren zu ziehen. In der Zukunftswerkstatt entstanden fruchtbare und kritische Ideen über die Tätigkeiten von Copernicus. Aus den Schlussfolgerungen wurde ein Bericht zusammengestellt, der als Grundlage diente für eine spätere Strategiesitzung. Es folgten konkrete Maßnahmen zur Optimierung der Vereinsarbeit und des Stipendienprogramms.

Die Ziele des internationalen Treffens zur Ehre des zehnjährigen Bestehens von Copernicus e.V. wurden also erreicht. Wir sind stolz darauf, dass Copernicus Berlin e.V. schon zehn Jahre die kulturelle Verständigung und den Bildungsausgleich zwischen Europa, Osteuropa und Zentralasien fördern konnte. Es war sehr erfeulich zu sehen, wie viele Menschen mit unterschiedlichsten Hintergründen über die Jahre hinweg zum Erfolg des Vereins beigetragen haben und wie sie sich in einem Wochenende näher kamen. Es war wahrlich ein friedliches Zusammenwachsen in Europa. Wir möchten allen die hieran beigetragen haben deswegen sehr herzlich danken für all ihre Unterstützung.

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Abschlussbericht Yanina Sedelnik

November 3rd, 2010 by clara
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Ein halbes Jahr meines Aufenthaltes in Deutschland steht hinter mir. Ich habe viel Neues erlebt, interessante Leute kennengelernt, und auch viel nützliches für mein weiteres Leben gelernt.
Ein halbes Jahr in Deutschland mit Copernicus sind das Studium an einer deutschen Universität, das Praktikum in einem Unternehmen, Organisation oder Zeitung, einen Bezug zu Osteuropa haben, das Leben in einer deutschen Gastfamilie und das Zusammensein mit den Aktiven in Copernicus – davon handelt mein Abschlussbericht.

Das Studium: das deutsche Universitätssystem unterscheidet sich gründlich vom belarussischen System. Die Ausbildung ist so eingerichtet, dass der Student selber viel machen muss, an der Uni bekommt er nur die Grundkenntnisse und fast keinen Zwang zum Lernen. Deswegen hatte ich anfangs nicht nur Sprach-, sondern auch Konzentrationsprobleme. Der Student aus Belarus, der als Copernicus Stipendiat nach Deutschland kommt, muss vor der Einreise das deutsche System studieren. Meiner Meinung nach habe ich zu wenig darüber gelesen. Man muss den Unterschied zwischen den Anforderungen zum Bachelor- und Masterstudium kennen. Wie auch z.B. wissen, was eine Klausur oder was eine Hausarbeit ist.
Die Anforderungen an der deutschen Universität waren gerecht. Aber ich selbst habe damit ein bisschen Probleme bekommen, weil ich erstens Hausarbeiten und nicht Klausuren schreiben musste, und zweitens die Stadt verändert habe. Aber das deutsche Universitätssystem finde ich definitiv viel progressiver, als unseres. Während bei uns noch sowjetische Regeln an den Unis herrschen, sind die Professoren in Deutschland viel moderner. Sie benutzen aktiv das Internet, wissen was Facebook oder Twitter ist und haben nichts dagegen, weil sie, wie meisten Menschen der europäischen Welt, die Rolle der sozialen Medien anerkannt haben. Als Beispiel kann ich ein Ereignis nennen: eines Tages, während der WM, hat der Professor an er Uni erlaubt, im Unterricht ab und zu in den Laptop zu gucken, um den Zwischenstand zu folgen. Natürlich wurde der Unterricht damit nicht unterbrochen, die Studenten konnten sich sogar mehr entspannen. Das heißt meiner Meinung nach Demokratie.

Praktikum: Diesen Punkt kann ich persönlich unendlich loben. Meine Situation war anders, als bei den anderen Stipendiaten, weil ich das Praktikum nicht in Berlin, sondern in Bonn bei der Deutsche Welle gemacht habe. Einerseits hatte ich natürlich anfangs Schwierigkeiten, da ich hier so zu sagen ganz alleine war (ohne Copernicaner, ohne andere Stipendiaten). Dazu hatte ich auch ein Missverständnis mit meiner zweiten Gastfamilie. Aber dafür war mein Praktikum echt super. Das war ohne ein Wort zu lügen das beste Praktikum in meinem professionellen Leben. Während meines Praktikums konnte ich mich endlich als Journalistin frei und entspannt fühlen, ich könnte jeden Tag etwas Neues erfahren und viel lernen. Ich hatte meinen eigenen Arbeitsplatz, was ich z.B. während meinen Praktika in Belarus niemals gehabt hatte. Und natürlich habe ich ein nettes Team kennengelernt, junge attraktive Leute, die dich verstehen und als einen richtigen Mitarbeiter schätzen.
Ich habe von der Deutschen Welle z.B. die Aufgabe bekommen, im russischen Konsulat einen Beitrag zu machen, was mir viel gebracht hat.
Darüber hinaus habe ich mich für immer in die Stadt Bonn verliebt. Man sagt oft, das Berlin international und multikulturell ist. Über Bonn kann ich das auch sagen, aber diese Stadt ist nicht nur „multikulti“ wie die Hauptstadt, sondern auch ruhig und sauber, was in Berlin meiner Meinung nach fehlt.

Gastfamilien:
So ist es geschehen, dass ich nicht eine, sondern drei Gastfamilien gehabt habe. Die Idee, Stipendiaten anstatt in einer WG oder im Studentenwohnheimen unterzubringen, in Gastfamilien unterzubringen, finde ich gleichzeitig gut und schlecht. Das Leben in drei deutschen Gastfamilien war für mich immer anders, d.h. man lernt nicht sosehr die deutsche Mentalitätsbesonderheiten, sondern einfach die Leute kennen. Das ist wie im Gewinnspiel: entweder ist man Gewinner, oder Verlierer. Es hängt davon ab, ob du dich persönlich zu den anderen Leuten angezogen fühlst, oder nicht. Die Besonderheiten der deutschen Mentalität habe ich schon in der Kindheit kennengelernt, deshalb waren für mich neue Leute erstrangig als Leute interessant.
In meiner ersten Gastfamilie, oder genauer gesagt bei meiner Gastmutter Eva habe ich mich gut gefühlt. Die Frau hat mir viel Freiheit gegeben und hat für mich ab und zu sogar gekocht, was ich nach drei Jahren „für mich selber kochen“ wirklich toll fand. Sie hat auch mit mir gesprochen, damit ich mein Deutsch verbessern konnte. Ich habe ihre Tochter, Enkelkinder, ihren Sohn und Nachbarn kennengelernt. Also habe ich mich als Teil einer großen Familie gefühlt.
Meine zweite Gastfamilie wohnt in Erftstadt. Das sind die Leute, mit denen ich mich weniger verstanden habe, weil ich den zu spezifisch fand. Am ende dieses Aufenthaltes habe ich bestimmte Schlussfolgerungen gezogen und viele Sachen für mein weiteres Leben verstanden.

Aber…Alle gute Dinge sind drei, sagt ein bekannter Spruch. So war es auch in meinem Fall. Ich bin dem Schicksal dafür dankbar, das der mich mit meiner dritten Gastfamilie zusammengebracht hat. Den letzen Monat meines Aufenthaltes in Deutschland habe ich mit wesensverwandten Leuten verbracht. Das neunjährige Mädchen ist meine Schwester geworden, die Frau und den Mann fand ich von Anfang an einfach cool. Die anderen Kinder waren alle auch besonders nett zu mir. Und wenn mich jemand fragen würde, ob ich eine richtig deutsche Gastfamilie kenne, werde ich mich immer an diese Familie erinnern. Ich schreibe wieder ohne zu lügen, ich würde gerne meine Gastmutter Christine als meine echte Mutter haben – solche Frauen sind ein Schatz – lieb, nett, schöpferisch und stark. Also, von meiner dritten Gastfamilie bin ich wohl begeistert.

Copernicus: das Programm gibt einem Studenten, der wie in meinem Fall nicht aus einem EU Land kommt, die Möglichkeit, sich weiter zu entwickeln, den Bekannten- oder Freundeskreis zu verbreiten, die Systeme an der deutschen und der Heimatuniversität zu vergleichen, dazu noch ein bisschen zu reisen und über das Leben nachzudenken. An Copernicus hat mir besonders gefallen, das uns das moderne und junge Team begleitet hat. Man konnte sich fast in jedem Fall an sie wenden, und man bekam Antwort auf Fragen. Was mir an dem Programm persönlich gefehlt hat, ist die Organisation. Ich habe erwartet, dass alles viel besser organisiert wird, dass wir am Anfang unseres Aufenthaltes ein festes Programm bekommen und alle Formalitäten leicht erledigt werden. Deshalb habe ich mich am Anfang ganz einsam und hilflos gefühlt. Mein Tipp an Copernicus wäre: ein sehr gut organisiertes Programm im ersten Monat zu haben. Alles, angehend von der Anmeldung in der Stadt bis zur Erklärung, die das Uni- und Banksystem funktioniert, muss gut und ausführlich erklärt werden. Man muss denke ich nicht vergessen, dass Stipendiaten aus verschiedenen Ländern kommen, verschiedene Alter und soziale Lebenshaltungen haben.

Aber insgesamt bin ich dem Copernicus und allen Aktiven natürlich sehr dankbar. Während meines Aufenthaltes in Deutschland habe ich Zeit bekommen, um nachzudenken, und Pläne für mein weiteres Leben in Belarus zu schmieden. Jetzt weiß ich Bescheid, was ich weiter machen soll. Hier in Deutschland habe ich mindestens zwei wichtige Entscheidungen getroffen.
Ich habe mich in Deutschland stark verändert, ich weiß nicht, ob es gut oder schlecht ist, noch schwer zu definieren, aber ich weiß, – ehemalige Jana kommt nicht mehr. Ich habe in Deutschland viel Erfahrung gesammelt und ich hoffe, dass es nur Vorteile in meinen Leben bringt.

Den zukünftigen Stipendiaten wünsche ich mindestens von Anfang an viel mit Copernicanern und anderen Stips zusammen zu sein. Bevor man einreist, sollte man im Internet die Stadt Berlin kennenlernen und einen kleinen Plan machen, wohin man möchte, was man unbedingt machen und erreichen will.
Yanina Sedelnik

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Abschlussbericht Katarzyna Grzeganek

Oktober 25th, 2010 by clara
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Es ist kaum zu glauben, dass das Stipendium schon zu Ende ist. Die sechs erlebnisreichen Monate sind schnell vergangen. Vor der Anreise und am Anfang hier in Berlin habe ich mehrmals gedacht, wie ich diese sechs lange Monate, ohne die Familie und Freunde überlebe. Ich hatte Angst vor Neuem, Unbekannten. Jetzt am Ende kann ich sagen, dass ich mich natürlich freue wieder bald zu Hause zu sein aber auch, dass es mir schwer fällt, mich von Berlin zu verabschieden.

Fangen wir aber mit dem nicht leichten Anfang an. Ich kann mich sehr gut an den ersten Tag in Berlin erinnern. Ich kannte schon ein bisschen die Stadt, mindestens die bekanntesten Merkmale, wie Brandenburger Tor, Fernsehturm und Reichstag, deshalb wusste ich was ich von der Stadt erwarten konnte. Ich bin am Ostermontag in Berlin Hauptbahnhof angekommen. Da ich aus dem Zug mit einem deutschen unbekannten Mann ausgestiegen bin, der sich um meinen schweren Koffer gekümmert hat und ich mich von ihm nicht so schnell verabschiedet konnte, hatte ich zunächst einen eher negativen Eindruck gemacht. Es sah nämlich so aus, als hätte ich meinen Freund nach Berlin mitgebracht. Ich wurde aber schnell von Paulina und meinem derzeitigen Mentor befreit und alles wurde glücklicherweise geklärt. Die erste Woche habe ich leider in einem Hostel verbracht, weil meine Gastfamilie noch im Urlaub war. Die ersten Tage waren ziemlich anstrengend – die Formalitäten an der Uni, auf der Bank, in der Krankenkasse und in der Anmeldebehörde zusammen mit immer neuen Leuten in dem Hostel-Zimmer. Die Zeit war aber zum Glück schnell vorbei.

Bereits am ersten Wochenende fand das Seminar in einem, mitten im Wald gelegenen, Schloss in Wendgräben statt. Es war eine tolle Gelegenheit die Stipendiaten und Copernicaner aus Hamburg und München kennen zu lernen. Das Seminar werde ich sicherlich lange im Gedächtnis behalten. Nicht nur aufgrund des interessanten Themas (Parlamentarismus in Osteuropa), sondern vor allem, weil wir dort über den Flugzeugsabsturz bei Smolensk erfahren haben. Nach dem von ganz unterschiedlichen Gefühlen geprägten Wochenende hat das Studium an der Uni begonnen.

Das Studium an der Humboldt-Universität zu Berlin betrachte ich als eine tolle Chance, Fachgebiete, die ich schon zuvor an meiner heimischen Universität studiert habe, aus einer anderen Perspektive kennen zu lernen und dadurch mein Fachwissen zu vertiefen. Zwischen dem deutschen und
polnischen Unisystem bestehen selbstverständlich Unterschiede. Das polnische System ist im Vergleich mit dem deutschen deutlich mehr verschult. An meiner Uni in Polen gibt es viele Lehrveranstaltungen, die wir in einem bestimmten Semester bestehen müssen. Die deutschen Kommilitonen haben deutlich mehr Freiheit in der Gestaltung des Stundenplanes. Am Anfang des Semesters hatte ich Probleme, alle Inhalte sprachlich gut zu verstehen. Es gab viele Fachbegriffe, deren Sinn ich schon nicht selten auf Polnisch kannte, die ich aber dann
praktisch von Anfang an auf Deutsch lernen musste. Besonders gut hat mir die positive Einstellung der Dozenten den ausländischen Studenten gegenüber gefallen. Wir wurden in die Veranstaltungen mit einbezogen und als Teil einer Gruppe betrachtet. Da ich meine Magisterarbeit über das deutsche Banksystem in der Krisenzeit schreibe, habe ich mich vor allem über die Teilnahme an der Vorlesung Banken II gefreut. Praxisnahe Beispiele und Diskussionen über aktuelles Geschehen in der Wirtschaftswelt haben dazu beigetragen, dass die Veranstaltungen nicht nur interessant sondern auch lehrreich waren. Die größte Angst hatte ich natürlich vor drei Klausuren, die ich am Ende des Semesters abgelegt habe. Am Ende hat sich aber ergeben, dass die Arbeit mit unerwartet guten Noten belohnt wurde und manchmal auch weniger Zeit kostete, als das Schreiben von Hausarbeiten. Ich konnte meine Deutschkenntnisse auch durch die Teilnahme an dem Wirtschaftsdeutschkurs verbessern. Als Inhaberin eines virtuellen polnischen Restaurants in Berlin habe ich die Besonderheiten der  Geschäftskommunikation in Deutschland kennen gelernt und hoffe diese Erfahrungen in meinem zukünftigen Berufsleben benutzen zu können. Ich habe die Zeit hier in Berlin dazu genutzt, um in der Bibliothek für meine Magisterarbeit zu recherchieren.

Ein wichtiger Bestandteil des Stipendiums ist neben dem Studium auch das Fachpraktikum. Nach dem Motto „learning by doing“ suchten wir mit der Unterstützung von Copernicus selbst nach einem passenden und interessanten Praktikumsplatz. Mit jedem neuen Bewerbungsschreiben und noch mehr mit jedem Vorstellungsgespräch war natürlich sehr viel Stress verbunden. Insgesamt habe ich aber dadurch ein paar gute Erfahrungen für mein zukünftiges berufliches Leben gesammelt. Sogar die skurrile Frage „Wie viele Autos werden jährlich vom VW in Brasilien verkauft? “ war ein lehrsamer Teil eines Interviews.

Ich habe mein zweitmonatiges Praktikum bei Pumacy Technologies AG, einem Lösungsanbieter aus dem Bereich Wissens-, Innovations- und Prozessmanagement absolviert. Zu meinen Aufgaben zählte u.a. die Vorbereitung einer kurzen Studie zum Thema Wikis für Wissensmanagement in einer Organisation und Arbeit an dem Projekt Regioneers, einem Portal mit regionalen Innovationen. Ich habe während meines Praktikums viel Neues gelernt und Sachen gemacht, die ich nie zuvor zu machen vermutet habe. Das Praktikum war eine große Herausforderung für mich aber es hat auch viel Spaß gemacht. Ich bin auch sehr positiv über die gute Zusammenarbeit mit den deutschen Kollegen überrascht.

Ein wichtiger Punkt für mich war auch mein Länderabend zum Thema Wirtschaftswunder an der Weichsel?, der professionell und mit hohem Engagement von Guarani koordiniert und organisiert wurde. Ich kann mir nicht vorstellen, wie es ohne seine Hilfe und Unterstützung verlaufen wäre. Sein Engagement hat mich auch motiviert, mich wirklich gründlich vorzubereiten. Vielen Dank Guarani! Zur Vorbereitung für den Länderabend habe ich zum Thema einen Artikel für ein deutsch-polnisches Magazin geschrieben und ein Radiointerview gegeben. Es waren auch tolle Erfahrungen für mich. Am Länderabend-Tag war ich sehr nervös. Letztendlich war vielleicht nicht alles perfekt, aber auch deutlich besser als ich mir das zunächst vorgestellt habe. Es war vor allem eine gute Übung einen Vortrag vor einem breiten und vielfältigen Publikum zu halten.

Ein Highlight war auch sicherlich das 10jährige Jubiläum. Es war nicht nur eine tolle Gelegenheit zusammen mit Alumni, Copernicaner und Gasteltern zu feiern, sondern zu hören in Gesprächen mit ehemaligen Stipendiaten, welche Auswirkung das Stipendium auf ihr zukünftiges Leben hatte. Mir persönlich ist es noch schwer zu schätzen, was das Programm mir für die Zukunft bringen wird. Klar mein Deutsch hat sich verbessert, ich habe das Leben in Deutschland näher kennengelernt. Wie ich es in ein paar Jahren beurteilen werde, weiß ich aber noch gar nicht. Ich bin auch gespannt nach der Rückkehr nach Polen zu erfahren, ob ich mich persönlich verändert habe.

Die Idee des Copernicus-Programmes, die hauptsächlich auf zwei Punkten basiert, und zwar auf Gastfamilien und Mentoren, finde ich einfach toll. Auf jedem Fall soll Copernicus auf diese zwei Merkmale nicht verzichten. Ohne Gastfamilien und ohne Mentoren gäbe es kein Copernicus sondern einfach Erasmus für Studenten aus MOE und Zentralasien. Bei mir, sowie bei meinen Mitsipendiaten, hat das Konzept mit Mentoren leider nicht gut geklappt. Ich konnte kaum auf Unterstützung von meinem offiziellen Mentor rechnen. Es gab aber im Verein Leute, die mir dann ihre Hilfe angeboten haben. Ich wurde nicht im Stich gelassen. Diana und Guarani, vielen Dank! Bei der Auswahl von Mentoren muss man mehr auf ihre persönlichen Eigenschaften achten und ihnen bewusst machen (aber eher nicht in Form eines quasi Vertrages, weil es sich um ehrenamtliches Engagement handelt), dass sie auch gewisse Verantwortungen haben. Aus eigener Erfahrung kann ich unterstreichen, dass man als Stipendiat mit der Hilfe von Mentoren vor allem Anfang rechnet, wenn alles neu und anders ist.

Es gibt auch Meinungen, dass Copernicus vielleicht auf die  Zusammenarbeit mit Gastfamilien verzichten soll. Sicherlich ist die Gastfamiliensuche nicht einfach und kostet viel Aufwand. Manchmal muss man auch mit Problemen der Verständigung zwischen Stipendiaten und Gasfamilien rechnen. Diese Nachteile sind aber kein ausreichender Grund, um auf die Unterstützung und Betretung der Stipendiaten seitens der Gastfamilien zu verzichten. Ich habe bei einer Gastfamilie in Griebnitzsee in Potsdam gewohnt. Ich hatte das Glück zu beobachten, wie eine deutsche Familie mit vier Kindern alltäglich lebt. Ich habe es leider nicht richtig geschafft den Kindern Polnisch beizubringen (was der größte Wunsch meiner Gastmutter war), aber es war immer lustig und nett mich mit ihnen auf Polnisch zu unterhalten und zusammen zu spielen. Ich bin meiner Gastfamilie für die Unterstützung sehr dankbar.

Ich habe auch die Gelegenheit wahrgenommen, an verschiedenen kulturellen Veranstaltungen – von Filmfestivals, über Museumsbesuche, bis zu Veranstaltungen in Stiftungen und Botschaften teilzunehmen. Berlin bietet die Qual der Wahl an verschiedenen kulturellen Tätigkeiten. Man darf es nicht verpassen.

Copernicus  besteht vor allem aus Menschen, die im Verein ehrenamtlich tätig sind. Vielen Dank für die Gasteltern und Copernicaner für jede Unterstützung. Besten Dank auch an Paulina, Georgi und Yana. Ich habe in Berlin ein paar gute Freunde gewonnen und hoffe wir bleiben lange im Kontakt. Es war toll, euch kennen zu lernen und dieses halbe Jahr zusammen in Berlin zu verbringen. Ich freue mich, dass ich als Stipendiatin ein Teil dieses Programmes sein konnte. Danke für die Chance, die Copernicus mir angeboten hat. Ich wünsche euch weiter viel Erfolg. Ich freue mich auf das 15jährige Jubiläum.

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