Wochenendseminar in Ravensbrück (Ende Juni)

Dieses Semester waren die Berliner an der Reihe, das Wochenendseminar für die Stipendiaten aus Berlin und Hamburg zu organisieren. Und sie haben das richtig gut gemacht! Mit dem Thema Online-Aktivismus konnten sich zwar nicht alle Stipendiaten sofort etwas anfangen, am Ende kam das Thema aber insgesamt wirklich gut an.

Begonnen wurde schon am Freitag Nachmittag, als die Berliner und Hamburger Stips bei Liquid Democracy e.V. in Berlin moderne Softwaretools zu kennen lernten, die Menschen die Möglichkeit zu geben soll, sich online an (organisationsinternen oder politischen) Entscheidungsprozessen beteiligen zu können. Am Abend erreichte die ganze Gruppe Fürstenberg an der Havel, da speziell die Jugendherberge Ravensbrück. Der Ort besitzt traurige Bekanntheit, da das größte Frauen KZ der Nationalsozialisten dort stationiert war. Neben einer Dauerausstellung und einer Gedenkstätte befindet sich auf dem Areal auch die Jugendherberge in den ehemaligen Gebäuden der KZ Aufseher. Geschichte hautnah also, am Sonntag Nachmittag war auch für einen Besuch der Gedenkstätte Zeit.

Am vorhergehenden Samstag und Sonntag Vormittag stand eine Menge Fachprogramm auf dem Zettel: Stipendiaten stellten den Online-Aktivismus ihrer jeweiligen Länder vor – was das im einzelnen war, könnt ihr in den Abschlussberichten am Ende des Semesters lesen. Am Samstag leitete Sabrina, Aktive bei den Berlinern, das Seminar ein mit verschiedenen Beispielen zu Online-Aktivismus. Als externe Referenten kamen Mareike und Jonas vom Projekt fluechtlinge-willkommen.de am Samstag zu uns und gaben ein recht konkretes Beispiel für die Möglichkeiten zum Engagement, die jeder im Internet realisieren kann. Auf ihrer Webseite können sich WG’s und Familien melden, die ein Zimmer frei haben und es an Flüchtlinge vergeben würden. Die Miete übernimmt „Flüchtlinge Willkommen“, ist dafür aber auch auf Spenden angewiesen. Über 40 Fällen hat das bereits funktioniert und beweist, wie schnell vieles Möglich ist, wenn man es einfach mal macht! Flüchtlingshilfe ist nicht nur etwas für die Politik, sondern für jeden von uns.

Am Sonntag referierte Zina El Nahel aus Ägypten für uns. Ihr Thema ganz klar: der Arabische Frühling und speziell die „Facebook-Revolution“ in Ägypten 2010 und 2011. Sie war damals vor Ort in Kairo und bekam ganz hautnah mit, wie über Facebook und Co. Demonstrationen organisiert wurden, Informationen verbreitet wurden und wie letztlich die Diktatur gestürzt wurde. Auch wenn damals vieles Möglich schien und gerade die sozialen Plattformen im Internet die Revolution der Bürger ermöglichten, stellte Zina auch die ernüchternden Folgejahre bis heute dar. Die Revolution war zwar geglückt, das Land erkämpfte sich aber trotzdem nicht wirklich die Freiheit: Gefangen zwischen Armee und Muslimbrüdern, tief gespalten und revolutionsmüde bleibt das Volk zurück.

Ein fachlich sehr gut gefülltes Seminar und persönlich sehr unterhaltsame Abende mit einer kleinen Geburtstagsfeier für die Hamburger Stipendiatin Joanna, die am Sonntag Geburtstag hatte, ging am Sonntag mit dem Besuch der Gedenkstätte zu ende.

Wir freuen uns schon auf das nächste Wochenendseminar im Wintersemester, bis dahin genießen aber auch wir und unsere Stips den Sommer in Hamburg und Berlin.

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