Wochenendseminar in Lüneburg

 Kurz vor Weihnachten. Lüneburg. Es gibt einen Weihnachtsmarkt, es ist Dritter Advent und plötzlich wird die Beschaulichkeit durch eine Horde durchgeknallter Osteuropäer und Zentralasiaten aus Hamburg und Berlin gestört, die ihre vermeintlichen Aufpasser mitgebracht haben. So oder so ähnlich müssen das die anderen Gäste in der Jugendherberge wahrgenommen haben, in der wir unser Seminar abgehalten haben. Es wurde gelacht und gefeiert, was den anderen Gästen sicher nicht verborgen blieb. Genau so aber wurde hart gearbeitet, debattiert und zugehört.

Das Thema Asylpolitik ist nicht nur in Deutschland ein schwieriges Thema. Meinungen und Einstellungen treffen aufeinander. Umso schöner war es diesmal, zu sehen, wie das methodische Konzept aufgegangen ist und ein Dialog entstand, anstatt dass, wie so oft in so einer Debatte, bestimmte Parteien einfach „dicht machen“, sich abschotten und auf ihren Meinungen bestehen. Das Planspiel, das jeden von uns zu einem Teil einer politischen Richtung werden ließ (links, Mitte-links, wirtschaftsliberal, Mitte-rechts und rechts), und uns dabei in unseren Richtungen noch verschiedene Rollen zugedacht hat (Parteivorsitz, Repräsentant einer Bürgerbewegung und Osteuropaexperte) kam besonders gut an. Die Verfasserin dieser Zeilen durfte ein bisschen Pegida spielen. Sie musste sich danach zwar mindestens zehnmal den Mund mit Spiritus ausbrennen aber eine wertvolle Erfahrung bleibt eine wertvolle Erfahrung. Und Spaß gemacht hat es natürlich auch, sich für eine Stunde mal in eine so vollkommen fremde Position zu versetzen. Ich denke, viele haben das so erlebt. Der Besuch des syrischen Flüchtlings Amer und einer Freiwilligen Helferin, Steffi, aus Hamburg hatte uns vorher für die Innensicht sensibilisiert und natürlich viele neue Fragen aufgeworfen. Ich habe das Seminar als sehr ausgewogen erlebt. Ausgewogen zwischen Party und Ernst, Debatte und Weihnachtsmarkt, interessanten Gesprächen und Zeit zur Introspektion. Als einzige fest eingeplante Möglichkeit der beiden Vereine, sich im Semester zu sehen und einen Austausch zwischen Aktiven und Stips beider Städte zu realisieren bleibt das Seminar einfach eine Institution, Inter- und Intrakulturell. Achso, und herzlichen Glückwunsch zur Absage an Olympia. Liebe Grüße. S. Copernicus Berlin.

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