Bericht zum LÄnderabend: Georgien

Am Mittwoch, dem 13. Januar fand der Länderabend unserer georgischen Stipendiatin Mariam Kikvidze statt. In ihrem Vortrag erzählte Sie über die historischen Hintergründe und die aktuelle Lage im Bereich Minderheitenrechte in Georgien. Die Präsentation ist Mariam hervorragend gelungen, weil Sie die Fragen nicht nur aus der juristischen Perspektive analysiert hat, sondern bestimmte Fälle anschaulich mit Beispielen aus eigenen Erfahrungen illustrierte. Zunächst hat Mariam vom sowjetischen Erbe gesprochen und über dessen Auswirkungen auf die heutige Kultur und kulturellen Beziehungen im Georgien. Die sowjetische Regierung strebte überall eine grobe Vereinheitlichung von Ethnien und Kulturen an. Über Religion und sexuelle Minderheiten wurde nicht gesprochen. Sie kamen nicht vor. 

Seitdem Georgien unabhängig ist, hat es mit den geerbten und neu entstandenen Problemen und Tabus selbst zu kämpfen. Diese treten vor allem in südlichen und dörflichen Gebieten auf, wo die Traditionen, die Sprache und kulturellen Normen der Gesellschaft stark ausgeprägt sind und leidenschaftlich gepflegt werden. Seit 2014 verbietet das neue Antidiskriminierungsgesetz alle Formen der Diskriminierung, hat aber ebenfalls viele Gegner (z.B. die Kirche) und verursacht Kontroversen. Die georgische Bevölkerung bringt ihre Meinungen zu der Frage immer öfter durch Demostrationen zum Ausdruck. 

 

Als größtes Problem hat Mariam institutionelle Diskriminierung markiert. So werden zum Beispiel häufiger Menschen, die diesen konventionellen Normen nicht folgen, ausgegrenzt. Dieser versteckten Form der Diskriminierung ist ganz besonders schwer entgegenzuwirken. An einigen Schulen, wo traditionell gemeinsam christliche Gebete gesprochen werden, ist es beispielsweise für muslimische Kinder sehr schwer, sich davon abzugrenzen und trotzdem akzeptiert zu werden. 

Aber insgesamt gibt es doch viel Hoffnung und viele Verbesserungen. Fälle von Diskriminierung sind leicht zurückgegangen und der Diskriminierungsbeauftragte im Land wird von immer mehr Menschen offen angesprochen und beauftragt. 

 

 

Im Anschluss sind Mariam bei der Diskussion zahlreiche Fragen gestellt worden und es wurde ein anregendes Gespräch. Der Abend war auch aus dem Grund ganz besonders, da Mariams Eltern ihr und anderen Copernicanern geholfen haben ein leckeres und reichliches Buffet aus traditionellen georgischen Speisen vorzubereiten, das bei den Gästen sehr gut ankam. Wie immer ergaben sich beim informellen Zusammensein viele spannende Gespräche und Bekanntschaften unter den Besuchern, nicht zuletzt durch die unübetroffene georgische Gastfreundschaft. Wir freuen uns auf den nächsten Länderabend (Ukraine), der schon am 24. Februar stattfinden wird. Eine Einladung folgt in den nächsten Wochen. 

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