So war das mit der Zivilgesellschaft

Valeriia Khalimendyk beim Vortrag im März
Valeriia Khalimendyk beim Vortrag im März

Der letzte Länderabend in diesem Semester war eine sehr schöne und emotional zart-bittere Angelegenheit. Unsere Winterstipendiaten sind mittlerweile abgereist und dies war die letzte Möglichkeit in großer Runde und dieser Konstellation nochmal gesellig zusammen zu kommen, spannende Themen zu besprechen, Pläne und Eindrücke auszutauschen.

 

 

 

Gastgeberin des Abends war diesmal unsere Stipendiatin Valeriia Khalimendyk aus der Ukraine. Sie hat uns über die kulturelle Wiedergeburt ihrer Heimat erzählt. 

In ihrem Vortrag hat sich Valeriia absichtlich von politischen Themen ferngehalten und hat dem Publikum stattdessen präsentiert, was die Ukrainer momentan unter ihrer Kultur verstehen, wie dieses Verständnis sich verändert hat und welche Auswirkungen diese Veränderungen in der Gesellschaft bewirkt haben. Ganz besonders beeindruckend waren die Statistiken über das drastisch gewachsene Vertrauen der Bevölkerung in die nicht-staatlichen Organisationen und Akteure, was in allen postsowietischen Ländern eher noch ein sehr seltener Zustand ist. Das gesellschaftliche Engagement der Ukrainer ist in den letzten paar Jahren ebenfalls wesentlich gestiegen. Das ist erfreulich und verspricht tolle Möglichkeiten für die Entwicklung einer voll funktionierenden Zivilgesellschaft.

 

 

Probleme und Herausforderungen sollten dabei aber auch nicht übersehen werden. Die meisten nicht staatlichen Initiativen werden entweder von Privatpersonen oder von ausländischen Investoren und Spendern finanziert. Das sagt viel aus, nämlich dass die ukrainischen NGOs entweder von externer Finanzierung oder sehr reichen Bürger im Land abhängen. Es besteht aber große Zuversicht, dass in der Ukraine nach positiven und bereichernden Erfahrungen im Bereich des zivilgesellschaftlichen Engagements auch mehr einheimische, staatlich und gesellschaftlich unterstützte und kulturspezifische Organisationen entstehen können. Zivilgesellschaft muss nunmal gelernt werden und belastbare funktionierende Strukturen brauchen Zeit zum Wachsen.

Am Ende des Vortrags kamen vom Publikum viele Fragen, viele davon über die unzertrennliche Verbindung von Kultur und Politik, ihre gegenseitigen Einflüße und Herausforderungen im ukrainischen Kontext. Denn Politik und Zivilgesellschaft sind schwer voneinander zu trennen, vor allem in der momentanen Situation. 

 

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