Semester-Rückblick: Mariam Kikvidze (Georgien)

li: Valeriia Khalimendyk (Ukraine), re: Mariam Kikvidze (Georgien), offenbar im Museum
li: Valeriia Khalimendyk (Ukraine), re: Mariam Kikvidze (Georgien), offenbar im Museum

Wenn es euch interessiert, wie sechs Monate gleichzeitig zu viel und zu wenig sein können, dann ist dieser Bericht genau für euch! Wie ihr wahrscheinlich wisst, ist Copernicus ein Verein, der Studenten wie mir, also aus Osteuropa und Zentralasien, die Chance gibt, für halbes Jahr in Berlin studieren und wohnen zu können.

 

Ich studiere Jura und unsere Hauptaufgabe in Berlin ist das Lernen. Deshalb beginne ich auch damit, wie das Studium in Berlin für mich war. Das Lehrsystem ist fast gleich, wie in Georgien. Das heisst, dass die Gesetzgebung, freie Vorlesungen und die Prüfungen genau so sind wie bei uns. Natürlich geht es an der HU eher um deutsches und internationales Recht, was man in Georgien beim Grundstudium nicht lernen kann. Was ich besonders spannend beim Studium fand, war der Mediationskurs – ein spezielles Projekttutorium, wo wir in verschiedene Gruppen geteilt waren und über verschiedene Aspekte von Mediation Projektarbeiten geschrieben haben.  

Stip Valeriia und Aktive Sara bei Mariams Länderabend.
Stip Valeriia und Aktive Sara bei Mariams Länderabend.

Beim Lernen haben wir sehr viele praktische und lustige Übungen gemacht, was für mich etwas ganz neues im Rahmen des Studiums war und was auch sehr beim Praktikum geholfen hat. 

Da ich das Praktikum schon erwähnt habe, sage ich ein paar Worte auch dazu: die Praktikumssuche war für mich am anstregendsten in Berlin. Obwohl wir von Anfang an die Suche nach Praktikumsstellen begonnen haben, war das alles nicht besonders erfolgreich, weil ich, vielleicht, nicht richtig gesucht habe. Aber alle diese Bemühung lohnte sich definitiv, weil ich sehr kurz vor der Abschlussfrist einen wirklich tollen Platz am Amtsgericht gekriegt habe, rein zufällig, aber beim tollsten Richter Deutschlands, mit ganz besonderen Fällen, was ich in Georgien nicht so einfach treffen und erleben würde. Deswegen bin ich ohne Ende froh mit meinem Praktikum und dem Richter. 

Hier auch kleiner Tipp für zukünftige Stipedianten: beginnt die Praktikumssuche schon von eurer Heimat aus, weil die Fristen in Deutschland meistens sehr fest gestellt sind, was mit dem Studium schon ziemlich störend sein könnte. Sucht auch nicht nur Traumjobs, aber versucht mit allen Kräften, dort aufzutauchen, wo ihr am liebsten hinwollt und es gelingt euch unbedingt! 

Was auch besonders wichtig in unserer Stipendiumszeit ist, ist unser Aufenthalt. Wir wohnen hier bei Gastfamilien und müssen keine WGs suchen, sondern die Familien sind schon ausgewählt, was das ganze Programm mehrfach spannend macht. So erlebt man viel mehr von deutschem Alltag und Kulturleben.

Cops und Stips nach einem der Länderabende. V.l.n.r.: Nils, Valeriia, Sebastian, Mariam, Artem, Sabrina, David, Alexandra & Alexey in gelb
Cops und Stips nach einem der Länderabende. V.l.n.r.: Nils, Valeriia, Sebastian, Mariam, Artem, Sabrina, David, Alexandra & Alexey in gelb

Meine Gastfamilie ist nicht typisch deutsch, zumindest behauptet die Gastmutter so... Sie hat tollen Humor und ich habe immer sehr viel Spaß, wenn ich mit ihr kommuniziere. Man merkt gar keinen Unterschied zwischen unserem Alter. Was mich noch sehr gefreut hat, war ein sehr lieber Dalmatiner. Mit ihr gehe ich auch oft spazieren und würde sagen, dass ich noch einen Traum von meiner Kindheit erfüllt habe. Ein ganz besonderes Erlebnis in dieser Zeit war für mich die Weihnachtsfeier in dieser megagroßen Familie, wo alle „Kinder“ wieder zurück waren und zu Hause ein wirklich großes Fest gestaltet haben. Ich war noch nie am Heiligen Abend in der katholischen Familie und deswegen fand ich dieses neues Gefühl, mit ihnen zu sein, einfach großartig. Ich habe einfach sehr viel Neues und Interessantes bei meiner Gastfamilie erfahren.

Eigentlich war Zehlendorf auch nicht so schlecht, wie die anderen behaupteten... Ich hatte immer frische Luft, mehr Schnee (wenn überhaupt) als in der Stadt und mehr Zeit im Zug, fürs Denken und Lesen. Also ich und meine Gastfamilie hatten die gleichen Meinungen über das Leben und über andere Bereiche auch.  

Letztendlich möchte ich über Copernicus erzählen, das alle diese Erlebnisse und spannenden Erfahrungen in Berlin für uns bereit gestellt hat. Ich bin ganz sicher, dass dieser Bericht nicht gut genug wird, um wirklich alles über diesen Verein und seine großartigen Mitglieder zu erzählen, aber ich versuche kurz, alle wesentlichen Punkte zu fassen.

Die Länderabende gehören zum wesentlichen Teil des Stipendiums. Alle Stipendiaten müssen einmal über die wichtigsten Probleme in ihren Ländern Vorträge halten und die anderen kochen Spezialitäten fürs Buffet. Eigentlich macht die Vorbereitung enorm viel Spaß und besonders, wenn die Aktiven, wie zum Beispiel Anja, mitmachen. Was ich über meinen Länderabend sagen kann: von Anfang an war ich so gestresst, dass ich kaum etwas sagen konnte, aber mit dem Beginn des Vortrags war alles weg und ging den ganzen Abend sehr angenehm für mich. Trotzdem ist es immer gut, sich viel besser vorzubereiten, damit ihr euch selbst nicht sehr stresst.       

Niemandem ist neu, dass die Idee von Stipendium sehr toll ist und dass diese Zeit für unsere berufliche Zukunft bestimmt erfolgreich ist, aber ich möchte eher über persönliche und alltägliche Beziehungen sprechen. Dieser Verein (sowohl in Berlin, als auch in Hamburg) besteht aus Freiwilligen. Die Studenten, Berufstätigen oder ehemaligen Gasteltern und Stipendiaten bilden ein großartiges Umfeld, das für jedes Arbeitsumfeld oder Arbeitsgemeinschaft ein Traum wäre.

Wo ich persönlich diese Besonderheiten gespürt habe, war das Wochenendseminar in Lüneburg, wo das Hauptthema die Flüchtlingskrise war. Der offizielle Teil des Seminars war sehr spannend und vielfältig, mit vielen Spielen und lustigen Arbeiten. Außerdem waren die eingeladenen Gäste sehr passend, weil einer von ihnen selbst Flüchtling war und uns am besten die Wahrheit mitteilen konnte. Außer diesem Teil haben wir sehr schöne Abende gehabt, wo wir unsere Länder auch sehr interessant vorgestellt und viel getanzt haben. Niemand hatte die Chance, nicht mitzumachen, weswegen alles so lustig und bezaubernd war. Für mich wäre es trotzdem besser, wenn solche gemeinsamen Seminare, oder andere Veranstaltungen mit Ausflügen in andere Städte häufiger stattgefunden hätten. Zuletzt würde ich sagen, dass das ganze halbe Jahr für mich ein großes Abenteuer war, von Museen bis zu Theatern, von musikalischen Veranstaltungen bis zur Grünen Woche… Dieses Jahr werde ich nie vergessen und hier kennengelernte Leute, wie meine Mentorin Christina, die immer und in allen Bereichen gern geholfen hat, immer vermissen! Danke Allen, dass ich so ein großartiges Semester in Berlin gehabt habe und ich wünsche den Neuankömmlingen, dass sie auch so ein unvergessbares halbes Jahr hier verbringen. Genießt, was das Leben euch anbietet!

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