#2: Rückblick aus ukrainischer Sicht

Vereinsmitglieder und Gäste nach einem Länderabend
Vereinsmitglieder und Gäste nach einem Länderabend

Ich bin Valeriia, Stipendiatin aus der Ukraine im Wintersemester 2015/2016 in Berlin und in diesem Bericht möchte ich einfach ein paar Wörter schreiben, um meine Eindrücke mitzuteilen und vielleicht einige Tipps für die nächsten Stips zu geben. Zuerst möchte ich mich herzlich bei Copernicus dafür bedanken, dass ich diese riesengroße Lebenserfahrung bekommen habe. Während dieses Semesters habe ich viel gelernt. Es geht nicht nur um das Studium an der Uni, sondern auch um die Kommunikation, internationale Gesellschaft, Toleranz und Verständnis. Das sind nicht einfach schöne und prosaische Wörter, sondern lebendige Erinnerungen und Gefühle. Diese sechs Monate in Berlin werde ich nie vergessen. Also das Wichtigste, was ich empfehlen kann, man sollte das Leben genießen, viele Aktivitäten kombinieren und nie Angst haben, neue Herausforderungen zu treffen.

Studium und Praktikum

So sieht unsere Integration ins deutsche Hochschulsystem aus. Jetzt können wir mit viel Vergnügen nach den erfolgreich bestandenen Prüfungen über den Weg reflektieren. In der Ukraine funktioniert das Bildungssystem ein bisschen anders. In Deutschland hat man echt mehr Freiheit, um die Kurse und Module selbst auszuwählen. Zuerst kann man ein Weilchen verwirrt sein, um alles sofort zu begreifen und sich richtig anzumelden. Das war aber sehr nett von Sabrina, ein Treffen zur Studienorientierung zu organisieren. 

“Was ist ein Modul? AGNES? Oh Mann…” Keine Angst! Es ist nicht so schwierig, wenn man nicht zu faul ist, alle Information auf der Webseite anzuschauen. Aufmerksamkeit und keine Panik ;)

Mein Studiengang heißt Englisch BA. An der HU würde ich meinen Kommilitonen eine Vorlesung und ein Seminar bei Professor Klepper bestimmt empfehlen! Es geht mehr um die Kulturwissenschaften (USA oder Großbritannien) und lohnt sich zweifellos.

Mein Praktikum habe ich bei der Botschaft der Ukraine absolviert, wo wir auch viel Spaß hatten. Das war eine gute Gelegenheit meine Sprachkenntnisse anzuwenden und neue Veranstaltungen zu besuchen. Dort war ich als Übersetzerin und Dolmetscherin tätig und habe organisatorisch bei verschiedenen Veranstaltungen der Botschaft mitgewirkt. Das kann ich anderen Stipendiaten auch empfehlen, wenn sie Interesse an Medien und Übersetzung haben. Als erste Fremdsprache habe ich Englisch studiert und Deutsch als zweite, aber dort kann man auch andere Kenntnisse und Qualifikationen zum Einsatz bringen :)

 

 

Gastfamilie
Was für nette Leute! Diese sechs Monate habe ich bei der Familie Thierauch gewohnt. Das war eine einzigartige und sehr angenehme Zeit. Ich freue mich außerordentlich, dass sie so offenherzig mich empfangen haben. Immer frisches Frühstück, spannende Diskussionen, Besuche und Veranstaltungen… Zusammen haben wir eine Reise nach Potsdam unternommen, die Philharmonie besucht und immer viel Zeit zusammen verbracht. Begrüßungs- und Abschlussfest haben wir bei uns organisiert. Obwohl ich ab und zu eine Katastrophe im Haushalt bin, sagen sie immer und ewig einfach “Kein Problem, unsere Kapputt-Maus”. Das war eine besondere Gelegenheit bei der deutschen Familien zu wohnen, die so offenherzig und tolerant ist. 

Mentor Sebastian mit Valeriia
Mentor Sebastian mit Valeriia

Mentoren
Es steht außer Frage, dass die Mentoren uns sehr unterstützt haben. Was mich persönlich betrifft, hatte ich keine Probleme oder Schwierigkeiten mit der Anpassung, aber das war sehr nett, das Sebastian (mein Mentor) immer dabei war und wertvolle Empfehlungen gegeben hat. Ich möchte ihm herzlich danken, dass er sich ab dem ersten Tage um mich kümmerte. Es war toll, dass er mich pünktlich im Flughafen getroffen hat, ohne ihn wäre ich mit meinen drei Koffern am ersten Tag ein bisschen gestresst gewesen. Am Tag der Deutschen Einheit (im Oktober) haben wir zusammen wunderschön die Zeit beim Fest verbracht.    

Freizeit
Eigentlich hatten wir nicht so viel freie Zeit. Am Anfang waren wir mit dem Studium beschäftigt, danach Prüfungen und endlich Praktikum. Trotzdem hat es geklappt, uns ganz oft zu treffen und auszugehen. Ich freue mich echt viele neue Leute kennenzulernen, mit denen wir diese wunderschöne Stadt zusammen entdecken konnten. Berlin ist eine Stadt von Kontrasten, wo man sich ganz unterschiedlich unterhalten kann. Jetzt verstehe ich eigentlich wie glücklich ich war, sechs Monate meines Lebens genau hier zu verbringen. Mit Mariam, Stipendiatin aus Georgien, mit der ich mich besonders angefreundet habe, haben wir ein paar mal Jazz-Konzerte besucht. Total super! In Berlin gibt es eine Menge gemütliche Kneipen, wo man richtig gute Jazz-Musik hören kann. 


 Social Meeting, Weihnachtsmärkte, Bundestag …

Und ich möchte gern ein Paar Wörter über die Veranstaltungen, die mir am besten gefallen haben, schreiben. Eine Führung im Bundestag, wo unser Aktiver Eike ausführlich über die Struktur und Beschäftigung des Bundestags gesprochen hat. Das finde ich interessant, dass 1-2% der Ausgaben in die Kunst investiert werden. Im Bundestag sieht man echt tolle moderne Bilder und Skulpturen.

Dazu haben wir im Dezember Weihnachtsmärkte in Berlin besucht. Für mich war das eine echte Entdeckung der traditionellen Kultur Deutschlands. Glühwein, gebratene Mandeln, Musik und Tanzen auf der Straße, oh Mann!! Obwohl man denkt, dass Berlin im Sommer schöner ist, unser Winter hat mich echt beeindruckt. Viel Spaß hatten wir auch beim Seminar in Lünenburg. Leider hatten wir nur einmal die Möglichkeit uns mit anderen Stipendiaten aus Hamburg zu treffen.

Länderabend: Valeriia, Anja und Mariam
Länderabend: Valeriia, Anja und Mariam

Länderabend
Mein Vortag zum Thema “Ukrainische Renaissance XXI: Zivilgesellschaft in der Ukraine” hat am 23. März traditionell beim MitOst e.V. stattgefunden. Vorher hatten wir viel Stress, um alles anständig vorzubereiten. Der letze Monat, viele Aufgaben, aber es hat ganz gut geklappt. Eine gute Neuerung war, dass ich vorher eine Chance hatte meinen Vortrag beim Plenum vorzustellen. Jetzt können die neuen Stipendiaten im Voraus ein paar Bemerkungen notieren. 

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