Wochenendseminar am Wannssee

Unter dem ehrgeizigen Thema Feminismus und Sexismus stand das COPERNICUS e.V. - Wochenendseminar am vergangenen Wochenende am Berliner Wannsee. Ein geschichtlicher Abriss mit der Vorstellung von wichtigen Feministinnen aus Deutschland und den jeweiligen Herkunftsländern leiteten die anschließenden Diskussionen, Vorträge und die Gruppenarbeit zum sehr streitbaren Thema ein. Abkühlung zwischen den Seminareinheiten verschaffte aber der nahegelegene Wannsee und ein toller Grill- und Kulturabend am Samstag. 

Feminismus – eine Bestandsaufnahme

Unter der Leitung der BerlinerInnen Ganna und Sabrina sollte es zunächst darum gehen, einen Überblick über die Entstehung des Feminismus zu geben. Anhand einiger Texte haben unsere Stips aus Berlin und Hamburg gemeinsam mit den Aktiven einen Zeitstrahl erarbeitet, der markante Punkte des Feminismus von Olympe de Gouges bis zur sogenannten Dritten Welle des Feminismus (in Deutschland) zusammenfasst. Ausgehend davon wurden eher aktuelle AkteurInnen aus Wissenschaft und Gesellschaft kurz vorgestellt, allen voran Simone de Beauvoir („Das andere Geschlecht“), Alice Schwarzer sowie Judith Butler („Das Unbehagen der Geschlechter“, „Körper von Gewicht“).

Die Aufgabe unserer StipendiatInnen war es – als Vorbereitung auf das Seminar –, einige Personen aus ihrem Umfeld zu befragen, was für sie Feminismus und Sexismus bedeute. Dabei waren durchaus interessante Aussagen dabei: Während alle Interviewten übereinstimmten, dass Feminismus der Kampf für die Rechte der Frauen* und Sexismus eine Objektivierung der Frauen* sei, so wurde die Frage „Würdest du dich als FeministIn beschreiben?“ sehr unterschiedlich beantwortet. Von „Männer können keine Feministen sein!“ über „Der Feminismus ist mir zu radikal.“ und „Selbstverständlich nenne ich mich eine Feministin!“ waren alle möglichen Aussagen dabei.

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“One isn’t born a woman, but becomes one.”

Simone de Beauvoir

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Im Anschluss hieran wurden Begriffe diskutiert, die im feministischen und/oder sexistischen Diskurs bekannt sind, darunter “Cat Calling”, das öffentliche Objektivieren von Frauen* durch Kommentare über ihren Körper oder ähnlichem, oder die Unterscheidung zwischen „Sex / Gender“, also zwischen biologischem und sozialem Geschlecht.

In den Diskussionen wurde immer wieder deutlich, wie unterschiedlich die Wahrnehmung von Feminismus und Sexismus innerhalb der Gruppe ist. So herrschte zwar ein Konsens beispielsweise darüber, dass die Gleichberechtigung der Frau* ein absolut wichtiges Ziel ist, doch inwiefern Frauen* tatsächlich strukturell diskriminiert werden, darüber wurde teilweise sehr hitzig diskutiert. Gerade anhand der Beispiele wie „Gender Pay Gap“, die ungleiche Bezahlung von Frauen und Männern bei gleicher Arbeit, gab es großen Diskussionsbedarf. So wurde besprochen, ob und inwiefern Frauen weniger verdienen, weil sie eher Teilzeit arbeiten oder eher in soziale Berufe gehen, die per se schlechter bezahlt sind. Dabei muss bedacht werden, dass sich die Gender Pay Gap auf gleiche Arbeit und gleiche Qualifikation bezieht und somit nur die Unterschiede zwischen beiden biologischen Geschlechtern.

Ebenfalls einen interessanten Beitrag leistete Anna Kasten, die als eingeladene ReferentIn über den Anti-Feminismus berichtete. Anti-Feminismus setzt sich gegen den sog. „Gender-Mainstream“ ein und hält eine Frauenquote für grundsätzlich falsch. Anna Kasten gab dabei allen einen wirklich spannenden Einblick in ihre aktuelle Forschungsarbeit.

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“Let's face it. We're undone by each other.

And if we’re not, we’re missing something.”

Judith Butler

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Als letzten größeren Punkt haben Stips und Aktive dann gemeinsam in Gruppen gearbeitet um verschiedene Aspekte des Feminismus und/oder Seximus in kreativeren Formen umzusetzen. So entwickelte eine Gruppe ein kurzes Theaterstück um die #aufschrei-Debatte, eine andere entwarf einen Nachrichtbeitrag zur #ausnahmslos-Petition, die eine Reform des Sexualstrafrechts fordert. Außerdem ging es um sexistische Werbung und Frauen* im öffentlichen Raum.

Trotz des straffen Zeitplan und der teilweise sehr hitzigen Diskussionen fanden wir noch Zeit am Abend gemeinsam das wunderbare Wetter am Wannsee zu genießen und konnten die Möglichkeit gut nutzen, mal wieder ein Wochenende mit beiden COPERNICUS-Vereinen gemeinsam zu verbringen.

Ein großer Dank an Sabrina und Ganna für’s Organisieren und an unsere Stips und Aktiven für die tolle Mitarbeit!

 

–      Lukas Sparenborg, 08.06.2016

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