Bericht zum Ukraine Länderabend (17.08.2016)

Der Länderabend am 17. August beschäftigte sich mit der Gleichberechtigung von Frauen und Männern in der Ukraine. Unsere Stipendiatin Yevheniia Vostres hat mit vielen Fakten und Statistiken, aber auch persönlichen Anekdoten, berichtet, wie es um die Situation der Frauen in ihrem Land steht.

 

Vor der ukrainischen Verfassung sind Frauen und Männer gleichgestellt. Doch obwohl Frauen einen größeren Anteil der Bevölkerung und vor allem auch der Wahlberechtigten ausmachen, sind sie in politischen Ämtern stark unterrepräsentiert. In einem weltweiten Vergleich belegt die Ukraine einen der hinteren Plätze bei der Repräsentation von Frauen im Parlament.

Im Berufsleben gibt es eine starke Unterteilung in Berufe, die in der Ukraine als klassisch männlich und weiblich angesehen werden. So wird der Beruf der Geschäftsmannes, des Politikers, Polizisten oder Wissenschaftlers immer mit Männern in Verbindung gebracht, während Sekretärin oder Verkäuferin als typisch weibliche Berufe betrachtet werden. Diese Unterscheidung zeigt sich auch im Lohngefälle zwischen Männern und Frauen, das in der Ukraine bei 41% liegt und sich durch alle Berufsgruppen durchzieht. Ein großes Problem für Frauen in der Berufswelt ist außerdem, dass sie oftmals schwarz arbeiten und somit keine Sozialversicherungsbeiträge bezahlen und keinen Arbeitsschutz genießen.

 

Auch im Alltag sind Frauen in der Ukraine schlechter gestellt als Männer. Sie werden oftmals Opfer von sexueller und häuslicher Gewalt. Diese Themen sind in der Ukraine allerdings so tabuisiert, dass nicht darüber gesprochen und gesellschaftlich dagegen vorgegangen wird. Wie im kulturellen Verständnis die Erziehung der Kinder und das Führen des Haushaltes die alleinige Aufgabe der Frau ist, sind diese der Doppelbelastung durch Beruf und häusliche Arbeit ausgesetzt und haben weniger Freizeit und soziale Kontakte als die Männer.

 

Als Grund für die schlechte Lage der Frauen in der Ukraine sieht die Stipendiatin auch die Vergangenheit in der Sowjetunion an. Die Frauen wurden im Berufsleben von oben herab emanzipiert, ohne dass sie sich Gleichberechtigung in allen Lebensbereichen aus freiem Willen erkämpft haben. Dadurch haben es feministische Bewegungen heutzutage eher schwer.

 

Trotzdem gab es auch positives zu berichten, etwa über kleinere feministische Kollektive oder die Social Media Kampagne #IchhabekeineAngstdaszusagen (vhttps://www.facebook.com/nastya.melnychenko/posts/10209108320800151).

 

Der Vortrag wurde interessiert verfolgt und am Ende schloss sich eine ausgiebige Diskussion mit dem Publikum an. Danach haben wir den Abend mit ukrainischen Spezialitäten und schönen Gesprächen ausklingen lassen.

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