Abschlussbericht Mariusz (Polen)

Ein halbes Jahr im Seenparadies

 

Die goldig schimmernde Stadt voller Pracht hat mich, einen jungen Studenten aus den polnischen hohen Bergen, sehr schön bei der Einfahrt begrüßt. Zuerst habe ich die Ostseite Berlins gesehen, wo sich weiter der Schatten der Vergangenheit beobachten lässt. Danach entdeckte ich die moderne Mitte. Schon im Zug kam ich zu dem Schluss: Berlin ist die Stadt mit vielen Gesichtern. Am Bahnhof warteten schon meine Gasteltern, Anna und Artem, mein Tutor, auf mich. Gleich danach machten wir uns auf den Weg zu meinem künftigen Wohnort: Zehlendorf.

 

Zehlendorf ist ein wunderschöner Bezirk, den ich seit langem schon als mein Zuhause empfinde. Am stärksten haben dazu meine Gasteltern beigetragen. Sie haben mich viel unterstützt. Nach jedem Tag an der Uni konnte ich damit rechnen, dass wir gemeinsam Abendbrot verspeisten, wobei es praktisch nie an Späßen, Gesprächen und Lachen fehlte.

 

Am Anfang haben wir die ganze Gegend zusammen mit meiner Gastfamilie besichtigt. Das malerisch an dem See liegende Schloss Caputh, Potsdam und die Schätze dieser Stadt, das Königsschloss in Königs Wusterhausen. Die größten Entdeckungen waren für mich die zahlreichen Kunstausstellungen, die von uns besucht wurden. Die moderne Malerei ist gar nicht so schlimm, wie so viele laut behaupten. Viele Kunstwerke versetzten mich in eine andere Welt und ließen mich ganz neue Gefühle erleben. Nicht alle waren angenehm, aber das Leben besteht nicht nur alleine aus Annehmlichkeiten. Ich habe ein Gemälde erworben, einen hübschen Hamster mit einem lila Hintergrund. Wie aus einem bunten Märchen! Die Wände meines Zimmers in Krakau warten schon auf ihn.

 

Mit meinen Lehrveranstaltungen Mitte April begann mein richtiges Studium in Deutschland. Im Vergleich zu Krakau müssen sich die in Berlin studierenden künftigen Juristen mehr auf das Recht fokussieren. Viele Veranstaltungsleiter lehren auf höchstem Niveau. Am meisten gefielen mir die Vorlesungen mit Brainstorming, die sehr stark dazu motivierten, mit dem Lehrstoff auf dem Laufenden zu bleiben. Man bereitet sich besser vor, wenn man damit rechnen muss, dass die Professorin Fragen stellt. Ich betrachte es sehr positiv, dass alle Lehrenden und Universitätsarbeiter studentenfreundlich waren. Man hatte denn selber keine Angst, Fragen zu stellen.

 

Das Studium an der Humboldt-Universität hat viel zwischen mir und Recht verändert. Erstens ist meine Verachtung dem Zivilrecht gegenüber verschwunden, ich mag es jetzt sogar. Die größte von meinen Entdeckungen ist Compliance, anders Integrität bezeichnet. Sie beschäftigt sich mit allen Bereichen, die mir gefallen: Kriminologie, Soziologie, Psychologie, Gestaltung von Systemen, Risiko‑Management und Ethik. Von anderen Rechtszweigen habe ich das deutsche Handels- und Gesellschaftsrecht, Arbeitsrecht, Strafrecht, das europäische Verbraucherrecht und die deutsche Kriminalpolitik kennengelernt. Ich denke schon darüber nach, welche Anwendung mein neu erworbenes Wissen bei der Verfassung meiner Masterarbeit finden könnte.

Nach den positiv bestandenen Prüfungen begann mein Praktikum. Ich habe einen Praktikumsplatz in einer Anwaltskanzlei in Brandenburg an der Havel gefunden. Der Weg zur Kanzlei war nicht kurz, aber die wunderschönen Seen und Wälder ließen sich vom Zugsfenster aus gerne bewundern. In der Anwaltskanzlei bin ich zum ersten Mal in meinem Leben einer echten Anwaltstätigkeit begegnet. Ich sammelte meine ersten Erfahrungen, wie man mit Mandanten spricht, damit die verstehen, was rechtlich geschieht. Ich habe meine ersten Aktenvorträge geführt. Ein umfassender rechtlicher Überblick über einen engen Rechtszweig in Polen wurde von mir vorbereitet. Ich habe die Anwesenheit meiner Kanzlei auf einer internationalen Messe unterstützt. Meiner Meinung nach sind diese Erfahrungen von einer großen Bedeutung für meine berufliche Zukunft.

 

Ein sehr wichtiges Ereignis war für mich mein Länderabend. Ich habe mich entschlossen, die Situation von Sinti und Roma in Polen und Deutschland vorzustellen. Meine Wahl kann man damit begründen, dass diese ethnische Minderheit in der Stadt meiner Jugend, Nowy Targ, besonders ausgegrenzt wird. Ich nannte viele Beispiele von Angriffen auf die Minderheit und Diskriminierungstaten gegen die Sinti und Roma in der Vergangenheit, sowie auch heutzutage. Ich habe auch über die Vernichtung der Minderheit durch die Nazis berichtet. Bei einer Diskussion nach dem Vortrag hat das Publikum wichtige Fragen zum Thema gestellt. U. a. besprachen wir die Lage des Königs der Roma in Polen. Es hat sich auch herausgestellt, dass viele die Bedeutungen von Begriffen assimilieren und integrieren sehr leicht verwechseln. Nach der Diskussion verspeiste das Publikum die traditionellen Gerichte und Käsen aus meiner Heimatregion, die Nord-Zips. Es blieb nicht so viel übrig, was bedeutet, dass vielen das Essen schmeckte. Der Länderabend lieferte mir die erste Möglichkeit des Lebens, einen öffentlichen Vortrag in der Fremdsprache zu halten. Ich finde, dass es eine wichtige Herausforderung und eine bedeutungsvolle Übung war. 

 

Meine Horizonte im Thema Feminismus haben sich stark während des Copernicus‑Seminars erweitert. Die drei Tage in Wannsee im Juni baten eine gute Gelegenheit zur Erwägung dieser Bewegung und zu zahlreichen Diskussionen zwischen Stipendiaten und Aktiven des Vereins. Wir besprachen die allgemeinen Meinungen zum Thema, welche feministischen Strömungen es gibt und womit die Frauen auf den Straßen rechnen müssen, wenn sie schön aussehen. Die Geschichte des Feminismus fand ich besonders interessant. Wie und ob die Frauen Ihre Rechte in Ukraine durchsetzen,  konnte man später am 17. August während Eugenias Länderabends hören.

 

Bei allen unseren Aufgaben unterstützten uns die Mitglieder von Copernicus. Die ersten Schritte waren am schwierigsten und ich bekam clevere Tipps, wie man sich z.B. in Berlin rasant anmelden kann. Ohne die wären manche Sachen nicht zu schaffen. Ich konnte auch später bei der Vorbereitung meines Länderabends auf kluge Ratschläge und scharfe Kritik zählen. Was für mich persönlich am hilfreichsten war, war die Unterstützung der Aktiven bei der Praktikumssuche, sowie bei der Vorbereitung der Bewerbungsunterlagen. Außerdem bestand immer eine umfangreiche Freundlichkeit unter den Vereinsmitgliedern. 

 

Die Zeit ist gekommen, ich muss mich von Berlin verabschieden. Ich kehre nach Polen reich an neuen Erlebnissen und reifer zurück. Jetzt kann ich mit den eigenen Erfahrungen begründen, dass die sich aktuell in Polen schnell verbreitende Germanophobie eine ganz verrückte und von der Realität abweichende Idee ist. Eine tiefe Freude erweckt in mir auch das, dass ich umfassend in die deutsche schriftliche Kultur eintauchte. Berlin, diese liebenswerte Stadt, werde ich immer sehr gerne besuchen und die darin verbrachte Zeit werde ich nie vergessen. Alles Gute hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei! Bis bald!

 

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Kommentare: 2
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