Abschlussbericht Adrian (Polen)

Ich bin Adrian, Stipendiat aus Polen. Ich studiere Rechtswissenschaft an der Jagiellonen-Universität in Krakau. Wie waren die letzten 6 Monaten in Berlin? Neuer Staat, neue Stadt, neue Sprache, neue Uni, neue Leute und neues Haus. Hatte ich die Angst? Natürlich! Sehr große Angst! Ich erinnere mich als ich nach Berlin angekommen bin. Das erste Treffen mit meiner Gastfamilie. Am Anfang konnte ich nicht so viel verstehen und fast nichts sprechen. Ich habe Deutsch nur in der Schule gelernt. Es gab irgendwann Kontakt zu den Menschen, für die Deutsch die Muttersprache ist. Aber es schien mir, dass sie sehr nett sind. Und na ja! Sie sind die nettesten Menschen, die ich irgendwann getroffen habe! Gegen die erste Angst habe ich gewonnen!

Die zweite Angst - Formalitäten. Nein ... Das ist keine Angst. Ich hasse einfach die Formalitäten. Und Formalitäten in der Fremdsprache? Hier bin ich nicht im Stande ein gutes Wort zu finden ... Krankenversicherung, Immatrikulation, Anmeldung. Ja ... Anmeldung im Bürgeramt - das ist meine Lieblingsformalität. Das Amt ist der Platz, wo du in der Schlange 2 Stunden warten musst. Natürlich muss ich im Amt in Polen auch ca. 2 Stunden waten um etwas zu machen, aber hier musst du 2 Stunden warten um nur eine Frist zu bekommen ... Na ja. Aber ich bin angemeldet. Ich war dort mit einem anderen Stipendiaten, so verlief die Zeit schnell. Jetzt zur Immatrikulation: Das Verlief ohne Probleme! Dann Anmeldung per Agnes. Das ist ein Online-System dank man seine Vorlesungen auswählen und sich anmelden kann. Ich habe nur gedacht, dass ich mich per Agnes anmelden kann. Bis ich in der ersten Blockveranstaltung war (bis heute weiß ich nicht, was "Blockveranstaltung" ist): "Hallo! Bist du angemeldet?" – fragte der Professor am Anfang der Blockveranstaltung. "Ja! Natürlich! Ich habe mich per Agnes angemeldet." – antwortete ich. "Ah so ... Aber die Anmeldung per Agnes ist nicht gültig. Du bist nicht auf der Liste, also kannst du nicht hier bleiben." Na ja ... Also wozu gibt es Agnes? Aber endlich hatte ich alle Vorlesungen, die ich mochte.

 

Die erste Vorlesung. Mein Gott! Was und worüber hat der Professor gesprochen? Keine Ahnung! Das konnte nicht Deutsch sein. Natürlich! Das war BERLINERISCH ... Die ersten zwei Wochen konnte ich vielleicht 30% verstehen. Dann war es besser und am Ende des  Semesters war ich im Stande fast alles zu verstehen. Das ist wahrscheinlich ein Problem mit der Ausbildung in Fremdsprachen in Polen. Ich lernte lesen, schreiben, aber ich war gar nicht kommunikativ und ich hatte so viele Probleme mit dem Verstehen der anderen Leute. Diese Barriere war für mich am Anfang sehr schwer. Bevor ich etwas gesprochen habe, musste ich lange Zeit nachdenken. Artikel, Wort, Grammatik ... Aber zum Glück waren meine Gastfamilie und die Professoren an der Humboldt-Universität sehr geduldig und verständnisvoll. Ich sage nicht, dass mein Deutsch jetzt perfekt ist, weil das nicht wahr ist. Ich mache noch so viele Fehler, aber ich fühle mich jetzt ganz sicher, wenn ich spreche. Das finde ich sehr gut und es wäre nicht möglich in der Schule in Polen. Mein Praktikum finde ich toll! Ich habe in der polnischen Gesellschaft mein Praktikum gemacht. Das war eine gute Erfahrung. Ich musste das deutsche und polnische Recht zusammen benutzen. In der Gesellschaft haben wir Deutsch, Englisch und Polnisch gesprochen. Ich habe auch nicht nur strikt in Jura gearbeitet. Es gab auch andere Bereiche, wie z.B. internationale Projekte. Und das finde ich toll! Ich empfehle immer etwas, was ein bisschen verrückt am Anfang scheinen könnte, denn wir können dort mehr Erfahrung in verschiedenen Bereichen gewinnen.

 

Noch ganz kurz über meinen Länderabend. Das war meine letzte Angst. Warum? Der Vortrag, so öffentlich Sprechen, ist nie einfach. Wenn du noch die Fremdsprache benutzen musst und über ein nicht ganz leichtes Thema sprechen, ist das noch schwieriger. Aber das ist möglich! Meine Gastfamilie hat mir hier so viel geholfen. Ohne sie war ich nicht im Stande meinen Vortrag vorzubereiten. Was könnte ich empfehlen? Ohne Stress! Ja, ich weiß, einfach zu sagen. Aber echt! Das Publikum ist immer verständnisvoll. Am schwierigsten ist die Vorbereitung und der Anfang und hier braucht man immer Hilfe.

 

Die Zeit läuft hier ganz schnell. Treffen mit anderen Stipendiaten und Aktiven, Partys mit meinen Gastbrüdern, Studium, Praktikum und Prüfungen in Polen. Diese letzte Sache war ganz verrückt. Ohne ins Details zu gehen. Aber ich empfehle nicht ein Semester in Polen und in Deutschland gleichzeitig zu machen. Warum? Einfach: Prüfungen. Du gehst an die Uni, dort hast du 2 Vorlesungen, Deutschkurs und Seminar. Dann kommst du zurück nach Hause, liest die Zeitung, später das Buch "Steuerrecht", noch alles ok, aber du weißt, dass du im nächsten Monat Prüfung in Polen z.B. in Strafprozessrecht hast. So nach "Steuerrecht" liest du "Proces karny" und, ok ... es geht zusammen. Aber du kannst nicht voll die Zeit in Berlin nutzen, denn den Kopf hast du die ganze Zeit an der Universität in Polen, 600 km weiter, und du kannst nicht nur an Berlin denken. Jetzt kann ich sagen, dass ich es zum Glück geschafft habe. Aber ich bin nicht ganz sicher, ob es sich lohnte. Die Prüfungen vor dem Stipendium oder Urlaub an der Heimatuni wären die bessere Lösung. Besonders, wenn du 600 km an die Heimatuni fahren muss. Einmal, während der Reise hatte ich Missgeschick. Meine Brieftasche wurde gestohlen. Die Brieftasche bedeutet natürlich Geld, aber auch Personalausweis, Studentenausweis und alle Kreditkarten ... Das war schrecklich. Ich habe fast alles verloren. Aber meine Gastfamilie und meine Freunde haben mir sehr geholfen. Das Leben ohne Geld, ohne Kreditkarte kann ein bisschen ... problematisch sein. Aber ich lebe und ich freue mich, dass ich in Berlin die Personen habe, die immer mir helfen.

 

Habe ich hier etwas gelernt? Ja, so viel! War das eine gute Zeit? Schließlich kann ich sagen: ja! Schöne Zeit! Und ich bin sicher, dass ich nach Berlin immer gern zurückkommen werde!

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Kommentare: 2
  • #1

    Alina (Freitag, 07 Oktober 2016 16:42)

    Was hast du in Berlin studiert? Welche Rechtbereiche? Wie war das?

  • #2

    Adrian (Freitag, 06 Januar 2017 18:18)

    Rechtswissenschft. Ganz verschiedene Rechtsbereiche: Strafrecht, Zivilrecht, Europäisches Recht. Wenn du etwas mehr wissen willst, können wir per Facebook oder E-mail kontaktieren. Adrian Zmarzły, adrian.zmarzly@gmail.com