Abschlussbericht Yevheniia (Ukraine)

Es scheint mir, dass ich erst gestern angekommen bin, aber jetzt schreibe ich schon meinen Abschlussbericht. Das war eine schöne und vielseitige Zeit, die ich bestimmt nie vergessen werde.

 

Schon in den ersten Wochen war es klar, dass ich im Moment in einer anderen Welt bin: Herausforderungen mit Papierkram, andere Sprache, Verkehrssystem, kleine Regeln des Alltagslebens, die nirgendwo geschrieben sind…

In Deutschland war das Studium besonders schwierig für mich. Im SoSe 2016 habe ich an der Humboldt-Universität zu Berlin Germanistische Linguistik als Haupt- und Deutsch als Nebenfach studiert. In der Ukraine studiere ich Translationswissenschaft. Die Hauptsache war, dass meine Heimatuni mir nicht frei gegeben hat und dadurch musste ich alle Prüfungen in der Ukraine innerhalb von 6 Arbeitstagen ablegen. Deswegen hat es mich viel Mühe gekostet, alles unter einem Hut zu bringen. Aber es war auch nicht so leicht sich an ganze System in Deutschland zu gewöhnen. Hier kann und muss man alles selbst planen und auswählen, gleichzeitig natürlich Prüfungs- und Studienordnung beachten. Der Umgang mit Agnes und Moodle waren auch neu und sehr komplex für mich, besonders in schlechten Tagen, also, wenn es technische Probleme gab. Seminare sehen auch ganz anders aus. Man darf viel diskutieren und kritisieren, es gibt nichts, was als absolute Wahrheit vorgenommen wird. Persönlich war ich von der Infrastruktur begeistert: es gibt alle möglichen Bedingungen für ein komfortables Studium: WLAN, Lesesäle, gemütliche Sitzplätze, Cafés, Fahrstühle usw.

 

Tipp für künftige Stipps: im Voraus alle Kurse anzugucken und so viel wie möglich zu besuchen, um das Beste für sich auszusuchen.

Zuerst konnte ich keine Zeit für die Praktikumssuche finden und habe das immer verschoben, was mich im Hintergrund immer sehr belastete. Trotzdem habe ich drei Zusagen bekommen: von der Botschaft der Ukraine in Berlin, von Literaturfestival Odessa und vom Start-Up-Unternehmen Inventorum. Ich habe mich für die letzte Option entschieden, weil ich sehr gerne erfahren wollte, wie das moderne Unternehmen aussieht und welche Herausforderungen man da trifft. Obwohl ich immer linguistische Disziplinen studiert habe, war ich beim Praktikum im Marketingbereich tätig, was ich sehr positiv finde, weil das den heutigen Realitäten am Arbeitsmarkt entspricht. Beim Praktikum habe ich mich hauptsächlich mit Datenbanken, Recherchen und Linkbuilding beschäftigt und habe an vielen coolen Veranstaltungen teilgenommen. Ich war dabei in allen Workshops und Meetings von Marketingabteilung und konnte überall meine Meinung äußern und mitmachen. Vom Praktikum habe ich bestimmt viel mitgenommen. Vor allem Bekanntschaften mit interessanten Leuten aus der ganzen Welt. Das war auch eine wunderbare Möglichkeit wieder meine Englischkenntnisse zu erfrischen und weiter Deutsch zu üben. Im Sinne von Fachwissen habe ich neue interessante Seiten der Wirtschaftswelt entdeckt, was bestimmt weitere Folgen für meine Zukunft haben wird.

Tipp für künftige Stipps: schon ganz am Anfang des Semesters zu Sprungbrett HU hingehen. Sie haben eine riesengroße Datenbank mit Stellenausschreibungen und unterstützen bei der Erstellung von Lebenslauf und Motivationsschreiben.

 

 

Vereinsleben war aktiv. Wir haben jede zweite Wochen ein Plenum gehabt, ungefähr einmal pro Monat Länderabende organisiert und ein zweitägiges Seminar zum Thema Feminismus und Sexismus gehabt. Ganz am Anfang haben wir auch coole Kennenlernentreffen gehabt. Besonders gut habe ich die gemeinsame Exkursion zum Bundestag in Erinnerung. Mein Länderabend war zum Thema Gleichberechtigung in der Ukraine. Die Vorbereitung hat viel Spaß und Stress gemacht. Auf jeden Fall war es sehr angenehm zu erfahren, dass so viele Leute sich für das Thema interessieren und auch so gerne ukrainische Speisen essen :). Leider hat bei mir das Mentoring nicht funktioniert, aber ich war selbständig genug, um alles alleine zu erledigen. Unser Vorsitzender Sebastian hat immer versucht Rat zu geben und war präsent, wenn es nötig war, wofür ich sehr dankbar bin.

Während des Programms habe ich bei Frau Dr. Horn gewohnt. Natürlich ist sie keine ganze Familie, aber war immer sehr lieb mit mir. Für mich war es überraschend wie viel Brigitte (mit 83 Jahren) reist und wie viele Kontakte sie hat. Das ist sehr motivierend! Wir haben zusammen ziemlich viel unternommen, zum Beispiel Museumsbesichtigungen, Ausflüge ins Grüne und natürlich in den Berliner Zoo! Mit Brigitte habe ich auch die deutsche Küche erforscht: Linsensuppe, Spargel, Würste und Rote Grütze. Und Eis als Nachtisch ist auf jeden Fall nicht zu vergessen! Bei Brigitte wohnt auch Midori, eine japanische Oboistin. Mit ihr habe ich auch viele lustige Momente erlebt und einmal chinesisch gekocht. Das Leben im Haus war sehr neu für mich, weil bisher habe ich nur in Wohnungen gelebt. Ich weiß nicht, ob es meins ist, aber das war eine interessante Erfahrung. Ich würde auch gerne die Gasteltern von Kseniia Melnikova aus Kirgistan erwähnen. Karin und Uwe haben mich oft unterstützt, besonders bei der Vorbereitung von meinem Länderabend.

 

 

Ich danke allen für diese wunderbare Zeit in dieser wunderbaren Stadt!

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