oh du fröhliche weihnachtszeit!

Weihnachtsmarkt, Lametta und Christkind: Während in Deutschland die Adventszeit auf ihr großes Finale zuschreitet, alle hektisch noch nach Geschenken suchen und die ersten vermutlich schon mit Plätzchen übersättigt sind, wollten wir wissen, wie die Weihnachtszeit in den Heimatländern unserer Stipendiatinnen in Russland und Belarus abläuft und haben ihnen ein paar interessante Fragen gestellt:

 

 

Wie wird in eurer Heimat Weihnachten gefeiert?

 

Margarita (Russland): Im Vergleich zu Europa es wird nicht gefeiert was hat alles mit staatlichem Atheismus in der UdSSR zu tun, die Folge dessen prägen bis jetzt unser alltägliches Leben. Nichtsdestoweniger wird Weihnachten in meiner Familie gefeiert, und zwar am 7. Januar, denn meine Mutter ist christlich-orthodox.

Normalerweise, feierten wir zusammen zu Hause, manchmal mit den Familien von unseren Freunden, wir sahen uns in dem Tag traditionelle Weihnachten-Filme an, Kindern verkleiden sich und gehen von Tür zu Tür, und steuern Erbsen überall. Und am Abend alle aßen zusammen. In der Nacht vor Weihnachten gibt's eine Tradition unter Mädchen besonders, “Magie zu üben”, um den Namen ihrer zukünftigen Lebenspartner herauszufinden oder überhaupt etwas über nahe Zukunft zu erfahren. Da ich aber seit fast 4 Jahren allein in Moskau wohne, spielt Weihnachten für mich keine so große Rolle.

 

Margarita (Belarus): In Weißrussland kommt es darauf an, welcher Religion man gehört und ob man überhaupt ein gläubiger Mensch ist. Die westliche Hälfte ist katholisch und man legt dort einen großen Wert auf das Feiern der christlichen Feste und Feiertage. Im Osten des Landes wird das Weihnachtsfest nur von den gläubigen Orthodoxen gefeiert, und zwar in der Nacht vom 6. und 7. Januar. Weihnachten ist bei uns also eher nur ein kirchlich gefeiertes Fest geblieben. Aber so wie die Deutschen Weihnachten lieben und feiern, feiert man bei uns den Silvester, die letzte Nacht des Jahres.

 

Was sind traditionelle Speisen, die es an Weihnachten gibt?

 

Margarita (Russland): Ich kenne mich nicht so gut da aus, meine Mutter hat immer an dem Tag russische Pfannkuchen gemacht, zum Abend aßen wir gebackene Ente mit Kartoffeln. Ich war aber einmal bei einer meinen Freundinnen zu Weihnachten und ihre Mutter hat “Soschivo” vorbereitet, einen traditionellen weihnachtlichen Nachtisch.

 

Margarita (Belarus): Der Tisch beim Silvesterabendessen ist richtig voll. Es fehlt an nichts. Die Auswahl an Speisen ist unglaublich groß, am meisten an Salaten. Die beliebtesten und die leckersten natürlich sind „Olivje“ und „Pod Schuboj“. Ich glaube, diese zwei und die Salzkartoffeln kommen an diesem Abend fast bei jeder Familie auf den Tisch. Kuchen gibt es natürlich auch, meistens ist das ein selbstgebackener Kuchen.

 

Welche Rolle spielen Geschenke?

 

Margarita (Russland): Keine, man bekommt sie nicht, dafür haben wir Silvester, eigentlich wird bei uns Neues Jahr was identisch dem Weihnachten in Europa gefeiert (noch mal der Einfluss von der UdSSR).

 

Margarita (Belaus): Bei den Geschenken wird zu Silvester nicht gespart. Alle geben sich Mühe, etwas Nützliches für ihre Nächsten auszusuchen, was sie sich selbst das ganze Jahr vielleicht  gewünscht hatten. Und all die Geschenke werden dann unter den Tannenbaum gestellt, welcher an dem Silvesterabend nicht fehlen darf.

 

Margarita (Belarus) und Margarita (Russland) zusammen mit Jasmin beim Social Meeting
Margarita (Belarus) und Margarita (Russland) zusammen mit Jasmin beim Social Meeting

Werden die Wohnungen besonders geschmückt?

 

Margarita (Russland): Ja, aber zum Silvesterabend.

 

Margarita (Belarus): Alle Städte und Dörfer bereiten sich mindestens 1 Monat auf dieses Fest, damit auch alles rechtzeitig fertig wird, richtig feierlich aussieht und eine festliche Atmosphäre entsteht. Die Familien benötigen unbedingt einen Tannenbaum, welcher reichlich mit bunten Lichtern und Schmucksachen geschmückt wird. Auf die Fenster werden dann von den Kindern aus Papier ausgeschnittene Muster vom Schneemann oder Schneeflocken aufgeklebt.

 

Wann beginnt die Weihnachtszeit? (Hier gibt es ja Weihnachtsmärkte ab November...bei euch auch?)

 

Margarita (Russland): In Russland wird Weihnachten am 7. Januar gefeiert, aber Märkte haben wir auch ab Anfang Dezember, was ist durch Globalisierung und Popularisierung von der Idee der “Christmas Spirit” zu erklären.

 

Margarita (Belarus): Wir haben keine festen Ferien zu dieser Zeit. Weihnachten, also der 25. Dezember und der 7 Januar sind Feiertage. Der Tag nach dem Silvester ist ebenfalls ein Feiertag, manchmal auch beide Tage danach, aber das ist vom Jahr zu Jahr unterschiedlich. Die Kinder in den Schulen und in den Kitas haben ihre Ferien vom 24. Dezember bis zum 8. Januar. An den Unis haben wir keine festen Ferien um diese Zeit. Es kommt oft vor, dass wir am 31. Dezember nach Hause kommen, um im Familienkreis den Silvester zu feiern und am nächsten Tag wieder zurück müssen, weil wir am 2. Januar eine Prüfung haben.

 

Was wisst ihr schon über die Weihnachtszeit in Deutschland? Was findet ihr da besonders interessant oder seltsam?

 

Margarita (Russland): Wir haben an der Uni viel darüber gelesen und ich glaube ich bin mit den deutschen bzw. europäischen Traditionen vertraut, am besten gefällt mir, dass es diese Adventzeit gibt, und man spürt Weihnachten-Stimmungen schon so früh, was Adventskalender mit Pralinen nur verbessern.

 

Margarita (Belarus): Ich weiß, dass Weihnachten für die Deutschen eines der wichtigsten Feste im ganzen Jahr ist, an dem sich die ganze Familie versammelt, um es zu feiern. Die Vorbereitungen darauf beginnen fast 2 Monate vorher. Das merkt man, sobald die ersten Weihnachstmärkte aufgebaut werden, welche die langsam die Vorfreude auf das Fest selbst wecken. Dieses Jahr zum Beispiel wurde der Weihnachtsmarkt am Potsdamer Platz schon am 4. November eröffnet. Die Spezialitäten wie Glühwein, Marzipane, Stollen und vieles mehr, gehören unbedingt dazu.

 

Wie werdet ihr Weihnachten dieses Jahr verbringen?

 

Margarita (Russland): Dieses Jahr verbringe ich Weihnachten in England, und wie mir schon mitgeteilt wurde, mein Programm ist schon voll gestellt worden, ich lass mich aber überraschen.

 

 

Margarita (Belarus): Zu Weihnachten fahre ich nach Italien, zu einer Gastfamilie, bei der ich als Kind mal gelebt habe und auch danach mehrmals gewesen bin. Es wird das erste Mal sein, dass ich dieses Fest mit ihnen feiern werde. Früher hatte ich keine Gelegenheit dazu,  weil ich in meiner Heimat zu dieser Zeit keine Ferien an meiner Universität gab. Ich bin also sehr gespannt und warte ungeduldig auf das Fest.