Abschlussbericht Nadiia Synytsia (Ukraine)

Das Copernicus-Stipendium war für mich eine einzigartige Möglichkeit, ein Abenteuer und ein unvergessliches Erlebnis. Schon nach dem Programm kann ich sicher sagen, dass ich einen riesigen Schritt sowohl in meinem Studium und Berufsleben, als auch in meiner persönlichen Entwicklung gemacht habe. Mein Aufenthalt in Berlin war voll neuer Bekanntschaften, Entdeckungen und Herausforderungen. Ich habe für mich neue Ziele gesetzt, die ich mir vielleicht nie vorgestellt hätte, meine Prioritäten haben sich geändert, und mein ganzes Leben hat neue Perspektiven bekommen.

Uni Leben
Ein Studium an der Humboldt-Universität zu Berlin war immer mein Traum, den Copernicus erfüllt hat. Ich habe vieles über das Studium in Berlin gehört, einige von meinen Freunden studieren und leben auch hier, und ich war immer neugierig das selbst zu erleben. Meine Erwartungen waren hoch, aber die Realität hat sie sogar übertroffen.
Die größte Herausforderung für mich waren nicht die Hausaufgaben oder Hausarbeiten, Referate und Präsentationen, - das habe ich während des Studiums schnell mitbekommen, - sondern der Studienplan, und zwar die Wahl der Kurse und die Freiheit beliebigen zu wählen. Ich war begeistert von der riesigen Auswahl, Vielfalt, Mehrsprachlichkeit und Themenbereiche. Deswegen habe ich mich für diejenigen entschieden, die ich in der Ukraine im Rahmen meines Studiums nicht hatte und die ich für mich selbst aktuell und interessant fand.
Ich war beeindruckt von der Offenheit der Professoren, die immer versuchten ihren Kurs so anzupassen, dass die Studenten nicht nur lernen, sondern auch diskutieren, forschen und Spaß haben. Die ganze Atmosphäre an der Uni ist freundlich, offen, flexibel und inklusiv. Man bekommt ein Gefühl von gegenseitigem Verständnis und Mitwirkung, was nur zum Studium motiviert.
Vielleicht das wichtigste, was ich während des Studiums bemerkt und dann später auch gelernt habe, ist die Motivation und Verantwortung. Im Gegenteil zu Ukraine muss man sich selbst um die Leistungen und Noten kümmern, aber das wichtigste beim Studium ist es nicht, die beste Noten zu erbringen, sondern die besten Kenntnisse von einem Thema zu bekommen.  Von hier aus kommt die Selbstmotivation, weil das Studium eine bewusste Entscheidung jedes Studenten ist (wer nicht studieren will, kann auch gern arbeiten). Studium ist nicht ein „Zwang“, sondern ein „Wunsch“.
 
Gastfamilie
Während meines Aufenthalts durfte ich bei zwei Gastfamilien wohnen, was ich ziemlich nützlich fand, da ich konnte das Leben in zwei deutschen Familien erleben. Ich würde diese Erfahrung als einen „Einblick in Berliner Kunst“ nennen, da die beiden Familien zu Kunstkreisen gehörten. Meine erste Gasmutter war die ehemalige Leiterin eines Museums, und dank ihr konnte ich mehr über die Kunst in Berlin erfahren.
Meine zweite Gasmutter war eine außenordentliche und überraschend aktive Frau, die, ehrlich gesagt, mich immer inspirierte. Sie hat ihr ganzes Leben der Musik und Kunst gewidmet, sie spielt im Theater, reist und treibt Sport, und noch dazu ist sie eine liebevolle Mutter und Oma. Wir sind gemeinsam zu Konzerten und Shows gegangen, und manchmal führten wir auch Konzerte auf und spielten Theaterstücke zu Hause.
Auch wenn wir uns während des Tages manchmal nicht sehen konnten, hatten wir eine gemeinsame Tradition – immer zusammen Frühstück zu haben. Unser Haus war immer voll von Musik oder Gästen. Das war ein lebendiges Zuhause mit viel Freude und Freunden, Gemütlichkeit und Familie, Entspannung und warmer Atmosphäre. 
 
Praktikum
Mein Praktikum habe ich bei der Botschaft der Ukraine in der Kulturabteilung gemacht, was mir die Möglichkeit gegeben hat mein Interesse für Politik und Kultur zu kombinieren und die praktischen Erfahrungen durch Mitwirkung und Mitarbeit in diplomatischer Tätigkeit zu sammeln.
Das Praktikum bei der Botschaft bedeutete viele Herausforderungen, Deadlines und Verantwortung. Meine Aufgaben waren so unterschiedlich, dass es einfach unmöglich ist das in einen Bereich zu setzen. Einige Tage war ich mit Delegationen unterwegs und bin zu Treffen mit Einflusspersonen gegangen, an anderen Tagen habe ich viel telefoniert und viel übersetzt, Treffen und Veranstaltungen organisiert, Gespräche durchgeführt und staatlich Aufträge ausgefüllt. Dadurch habe ich nicht nur wichtige praktische Erfahrungen und nützliche Kontakte gesammelt, sondern auch wichtige Lebenskenntnisse bekommen. Dadurch habe ich gelernt, meine Prioritäten zu setzen, Zeit sorgfältig zu planen und Aufgaben richtig zu verteilen.
Das Praktikum hat mir geholfen einen Einblick in die Arbeit einer staatlichen Institution zu gewinnen, aber auch einen Beitrag für mein Heimatland zu leisten, weil meine wichtigste Aufgabe war die ukrainische Kultur zu vermitteln und ein positives Bild der Ukraine in Deutschland zu schaffen.


Alltag
Berlin war immer meine Lieblingsstadt, aber die Stadt unterscheidet sich, wenn man sie besucht zu wenn man hier wohnt. Wenn ich über das Wohnen in Berlin denke, fallen mir drei Wörter ein: Planung, Vielfalt und Produktivität.
Die Zeit in so einer großen Stadt ist wichtig, deswegen ist sorgfältige Planung die erste Priorität. Auch wenn man sich mit den Freunden treffen will, muss das vorher verabredet werden, ansonsten hat niemand Zeit.
Die Stadt ist reich an allen möglichen Nationalitäten, Sprachen, Religionen und Werten, die folgend alle unterschiedlichen Angebote anbieten und eine einzigartige Vielfalt und Offenheit zu einander schaffen. Gleichzeitig ist das die Stadt der Freiheit, was mich persönlich angeregt hat über mein eigenes Verständnis von der Freiheit und Grenzen nachzudenken.
Mit Zeitmangel und Vielfalt ist es wichtig immer produktiv zu bleiben, d.h. die Zeit einem Zweck zu widmen. Entweder bei der Arbeit und mit den Freunden, ist es wichtig die geplante Zeit maximal zu nutzen. Davon kommt auch der gegenseitige Respekt für Freiheit – wir respektieren die Wahl, die Prioritäten und die Zeit voneinander und erwarten das gleiche. Ich denke, dass durch so einem gemeinsamen Verständnis des Zusammenlebens, Berlin so berlinisch ist.
 
Copernicus
Aber diese Erfahrungen würden nicht so bunt sein, wenn ich meine Kollegin und beste Freundin, Wiktoria, auch eine Copernicus-Stipendiatin nicht dabeigehabt hätte. Viele glauben, dass Russland und Ukraine ewige Feinde sind und die Freundschaft zwischen diesen zwei Ländern kommt überhaupt nicht in der Frage. Aber Copernicus hat genau das Gegenteil bewiesen – Wiktoria ist meine beste Freundin und Schwester geworden. Sie war diejenige, die mich immer unterstützte, mir geholfen und zugehört hat. Ob zusammen zu studieren, oder auszugehen, Wika ist die erste, die ich anrufe. Und ich bin sicher, dass auch nach dem Copernicus-Programm unsere Freundschaft eng und stark bleibt.
Aber nicht nur mit Wika war mein Aufenthalt so aufgeregt. Wir könnten mit unseren Problemen nicht umgehen, wenn wir unsere Mentorin Nele nicht hätten. Im Gegenteil zu uns war Nele immer ruhig und aufmerksam, sie hatte immer eine Lösung oder einen Vorschlag zu jeder Situation. Sie war unsere Mentorin für Uni, Wohnen in Berlin, Copernicus Arbeit und einfach für das Leben. Jetzt hat sie ein Baby bekommen, und ich bin stolz darauf, wie sie während ihrer Schwangerschaft immer die Zeit für Copernicus und Stipendiaten fand. Ich bin sicher, dass sie eine wunderschöne und liebvolle Mutter wird.
Noch dazu möchte ich hinzufügen, dass Copernicus nicht ein Verein bedeutet, sondern die Menschen, die diesen Verein schaffen und dafür arbeiten. Sie alle sind Copernicus, und man kann das nur verstehen, wenn man das erlebt hat. Ich bin dem Copernicus Team für die Erfahrungen und Erlebnisse, Menschen und Arbeit dankbar. Und ich wünsche dem Copernicus-Team gute Stipendiaten und eine erfolgreiche Zukunft des Vereins.

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