Abschlussbericht Victoria Zagidulina (Russland)

Vielen Herzlichen Dank, Copernicus! Vielen lieben Dank, Berlin!
Genau mit diesem Worten möchte ich meinen Bericht anfangen. Ich bedanke mich bei allen Menschen, die sich mehr oder weniger für Copernicus interessieren und sich leidenschaftlich bemühen, es Jahr für Jahr noch viel besser zu machen.

Es ist unglaublich wichtig für die jungen Leute, die besonders aus entfernten provinziellen Städten Russlands (aus Kemerowo, Kuzbass) kommen, eine Gelegenheit für persönliche Entwicklung zu schenken und unvergessliche Erfahrung im Ausland zu studieren.
Mein Lebensmotto: „Bewirb dich und erwarte die Zusage nicht!“
Es klingt vielleicht komisch aber es entspricht meiner Realität. Ich lernte Copernicus im Jahr 2016 kennen. Damals war Universitätsjahr vorbei und ich suchte fleißig während der Sommerferien nach der Auslandssemestermöglichkeit. Ich recherchierte viel im Internet und entschied mich dafür, mich bei Copernicus zu bewerben. Zuerst habe ich eine Absage von Copernicus Hamburg bekommen aber im Anhang habe ich dazu die Infos über andere Stipendienmöglichkeiten gefunden. Damals dachte ich mir, dass es eine schlechte Idee war, mich ganz am Anfang bei Copernicus zu bewerben. Und ich habe alles auf die lange Bank geschoben. Nach 2 Wochen habe ich einen Brief von Copernicus Berlin bekommen. Ich habe bereits wieder auf die Absage gewartet. Aber Nein! Nicht diesmal! Ich bekam die Nachricht, in der mir mitgeteilt wurde, dass ich mich zu einem Gespräch eingeladen wurde. Das war total unglaublich! Ich war so unheimlich aufgeregt. Vor dem Gespräch mit meinem zukünftigen (damals wusste ich das noch ganz nicht) Vorstand mit den Aktiven (Jasmin, Yaroslava, Sebastian) hatte ich so viel Panik. Ich habe sogar einen Plan moduliert: potenzielle Fragen an mich und mögliche Antworten von meiner Seite vor dem Spiegel vorbereitet. Ich war so schlecht beim Gespräch und fühlte mich so beschämt, dass ich erst „Danke“ nur dafür sagen wollte, dass sie ihre Zeit an mir verschwendet haben. Und wollte möglichst die Schande vergessen. Am Montag in der späten Nacht hat das Telefon in meiner Wohnung plötzlich geläutet. Mein Vater hat den Anruf entgegengenommen, hat an meine Tür geklopft und nur paar Worte gesagt: „Berlin ruft an!“. Eine männliche Stimme am Telefon hat mir berichtet, dass Copernicus Berlin mir bereits 3 Emails geschickt und keine einzige Rückmeldung von mir gekriegt hat (für die zukünftigen Stips: checkt eure Email Spam-Box häufiger). Nach der festen Zusage konnte ich natürlich die restlichen Nächte nicht ruhig einschlafen.
Eines Tages sagte Albert Einstein: „In der Mitte von Schwierigkeiten liegen die Möglichkeiten“.
Am ersten April (kein Witz) bin ich nach Berlin gekommen. Alle stundenlangen, monatelangen Vorbereitungen, Visabeantragung und Strapazen waren zu diesem Zeitpunkt Vergangenheit. Der neue Teil meines Lebens hat auf mich nach der Zollkontrolle im Tegel Flughafen gewartet.

Im Schwerpunkt des Copernicus-Stipendiums steht das Studium an der Humboldt-Universität. Ich vergesse NIE dieses Gefühl, als ich zum ersten Mal die Schwelle der Uni betreten habe. Die Top-Beste der klassischen Unis in der Welt! Die Universität, die die zahlreichen historischen Ereignisse erlebt hat, die die Wiege der Kenntnisse und Wissenschaften ist. Ich studiere Internationale Beziehungen an der Heimatuni, hier in Berlin habe ich meine Kennnisse an der Fakultät Sozialwissenschaft erweitert. Neue freundliche Umgebung, hochqualifiziertes und gleichzeitig leidenschaftliches Dozenten-Team, selbstständige Organisation des Stundenplans und unbegrenzte Freiheit, Flexibilität: das erwartet die neuen Copernicus-Stipendiaten an der besten Uni Deutschlands. Was mir sofort aufgefallen ist: der Studienprozess, der sowohl für die Dozenten als auch für Studierenden gemacht wird bequem gemacht wird, wo wir als Studierende  alle Lehrquellen durch das Uni-System „Moodle“ (manchmal braucht man viel Zeit, mit dem System sich zu befreunden, ganz geduldig, kein Stress) direkt von Dozenten bekommen können. Was für mich persönlich sehr spannend war sind Gruppen- und Projektarbeiten, wo man eigene Ideen und persönliche Meinung zu äußern lernt. Außerdem hat die Gruppenarbeit uns ausländischen Studierenden ermöglicht uns leichter mit deutschen Studierenden zu integrieren und schnellere Kontakte zu knüpfen. Mir gefiel besonders, dass bei Diskussionen die Dozenten auf gleicher Ebene mit den Studierenden waren. Ich konnte mich lange nicht daran gewöhnen, die Dozenten zu duzen, oder dass die Dozenten während des Seminars ganz locker auf dem Tisch sitzen konnten, und niemand dich verurteilt, dass man etwas Falsches gesagt hat. Dank den deutschen Studenten habe ich gelernt, meine Gedanken und Vermutungen ohne Angst zu sammeln, zu analysieren und auszudrücken. Besonderer Dank an die HU nicht nur für Theorie, sondern auch für Praktikumseinheiten.
Hätte ich mir im April ausmalen können, dass die Bibliothek mein Lieblingstreffpunkt und der Platz wird, wo ich meine besten Freunde getroffen habe? Natürlich nicht. Ich kann wirklich stolz darauf sein, dass ich dank der Bibliothek mein persönliches Netzwerk mit dem Leuten aus den verschiedenen Kultur-, Traditionen- und Sprachhintergrund erweitert habe.
Ich bedanke mich beim Copernicus Verein auch dafür, dass er mich mit Nadia Synytsia (aus der Ukraine) zusammengeführt hat. Wir spezialisieren uns beide auf internationale Beziehungen (Politikwissenschaft). Unsere Freundschaft ist ein lebendiger Beweis dafür, dass die Freundschaft keine politischen Barrieren hat. Wir nehmen unsere beiden Nationen immer noch als brüderlich wahr. Ich möchte mich bei ihr dafür bedanken, dass sie wie meine große Schwester war, mit der wir in der Küche „Draniki“ gekocht haben und alle Geheimnisse und Sorgen miteinander teilen konnten. Eine besondere Rolle hat sie bei meiner Suche nach dem Praktikum gespielt. Ich habe mein Praktikum in einer NGO (DRA e.V.) bekommen, wo ich meinen Beitrag bei den Projekten zwischen den osteuropäischen Ländern leisten konnte. Ich hoffe, dass wir nach dem Programmende im Kontakt mit Nadia bleiben.
Ebenfalls eine große Rolle spielt die Gastfamilie beim Aufenthalt des Stipendiats. Ich wohnte bei einer Gastfamilie, die sehr geistig und belesen war. Trotz der tiefen Kluft der Generationen und den Sprach-, Kulturbarrieren und dem Unterschied der Mentalitäten sind wir gut ausgekommen. Sie sind für mich lebendige Geschichte des Berlins vor und nach der Mauer. Die lustigen Geschichte über Ossi und Wessi werde ich mein ganzes Leben als Trophäe tragen. Sie haben mir neue Seiten Deutschlands in vielen Bereichen gezeigt. Dadurch, dass ich bei ihnen gewohnt habe, habe ich meinen Wortschatz (typische Berlinische Ausdrücke) aufbereitet. Ich danke ihnen vielmals für wunderschöne Momente.


BERLIN: Begeistert - Einzigartig - Reichhaltig - Liberal - Irre – iNternational
Ich würde Berlin genau so beschreiben. Ehrlich gesagt, war es nicht die Liebe auf den ersten Blick zwischen mir und Berlin. Auf den ersten Blick schien Berlin mir zu bunt, zu frei und unabhängig. Es brach alle meine eingefahrenen Vorstellungen über Deutschland auf. Das Herz Deutschlands ist wie ein einzelner Organismus. Es gibt sowohl wirklich hässliche, als auch wunderschöne Ecken in Berlin. Nach einer Weile habe ich verstanden, dass alle diese Kleinigkeiten Berlin besonders machen. Niemand ist perfekt in diesem Leben.
Berlin hat über 300 Museen. Will man sie alle während des Stipendiums sehen, muss man mindestens 2-3 Museen pro Tag besuchen. Das habe ich leider im Lauf der 6 Monate nicht geschafft. Berlin ist das Zentrum für alle möglichen Arten von Theater, Musik, Kino und Selbstverwirklichung. Man kann hier jede Art von Kunst für jeden Geschmack finden. Hast du die Liebe zur extravaganten Ballettstücken? Kein Problem! Herzlich willkommen in der Komischen Oper! Magst du bunte Shows von berühmten Couturier? Kein Problem! Herzlich willkommen in „The One Grand Show“ von Jean Paul Gaultier. Oder bist du Fan von Klassik? Egal! Man kann ALLES in Berlin von eigenem Interesse finden. ALLES ist möglich hier! Die jungen Leute äußern hier eigene Eigenschaft durch komische löchrige Bekleidung und bunte Haare. Es gibt's nix Unmögliches für Berliner Jugendliche. Nur auf solche Weise kann man in Berlin den Multi Kulti Stil hautnah spüren.

 

Danke Copernicus Berlin für diesen unvergesslichen Teil meines Lebens, für alle Unterrichte und Erfahrungen, für die schlechten Tage, die mich noch stärker gemacht haben und gute Tage, die mir wunderbare Erinnerungen geschenkt haben. Danke an jeden einzelnen Menschen, der mich hier unterstützt hat, der mir unvergessliche Erinnerungen geschenkt hat. Ihr seid alle für immer in meinem Herz! 
Ihr habt mir mehr als nur Stipendium gegeben, ihr habt mir neues Leben, Hauptideenbasis und breite Perspektiven geschenkt!

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